Nach der langen Schlechtwetterperiode war für den Freitag klarer Himmel vorhergesagt, und so haben Mike und ich beschlossen mal wieder nach Wattenweiler zu fahren und die Sonne zu beobachten, verabredet hatten wir uns auf 19:00 Uhr.
Mike hatte – wie üblich – seinen 115er TMB dabei, um v.o. H-Alpha zu schauen, bei mir stand eine Premiere an, weil ich mir nach längerem Hin und Her doch einen Refraktor nur für die Beobachtung der Sonne angeschafft hatte.
Er war etwas früher am Platz als ich, und hatte schon fast fertig aufgebaut als ich erst anfing auszupacken. Als dann ein „Hammer, ist da was los auf der Sonne!“ zu vernehmen war habe ich meinen Kram halb aufgebaut stehen und liegen lassen und bin rüber an das Teleskop von Mike.

Rund um die ganze Sonnenscheibe verteilt waren sicherlich 10 oder mehr Protuberanzen unterschiedlichster Größe und Form zu sehen, darunter auch ein großer, aber extrem dünner Bogen … wirklich der Hammer!
Irgendwann konnte ich mich losreißen und zu meinen Gerätschaften, um auch mit dem Beobachten zu beginnen … und mußte feststellen, dass der Akku der Bluetooth-Steuerung leer war, so ein Mist! Noch mistiger: Ich hatte kein USB Ladekabel dabei, mit dem ich die Steuerung an die moblie Stromversorgung hätte anschliessen können 🙁
Also ins Auto gesetzt und zurück nach Backnang gefahren, um besagtes Kabel zu holen – Merker: Die Zubehörfächer des Montierungskoffers sind für wichtiges Zubehör gedacht, nicht als Deko! – zum Glück ist es nicht allzu weit nach Backnang. Gut 20 Minuten später war ich wieder zurück, und die Steuerung konnte ihreb Dienst aufnehmen.
Wie es sich für eine Premiere gehört (oder gilt das nur für die Generalprobe?) lief im Anschluss natürlich trotzdem nicht alles nach Plan. Rudi Idler (Fernrohrland Fellbach) und ich hatten lange zusammen gesessen um passende eine Kombi Teleskop / Herschelkeil / Binoansatz zu finden – das lag sicherlich nicht an Rudi, sondern an meinen „Sonderwünschen“, insbesondere was die Brennweite und damit Portabilität des Teleskops betraf – und wir waren uns nicht hundertprozentig sicher ob der sog. „Backfocus“ des Teleskops ausreichen würde; eine „Trockenübung“ in Fellbach schien zu bestätigen dass es – knapp – reichen sollte.

Es hat NICHT gereicht! Mit keinem meiner Okularsätze war es möglich die Sonne korrekt zu fokussieren. Glücklicherweise ist der Okularkoffer von Mike außerordentlich gut sortiert und ein Paar Baader 35mm Eudiaskopisch (im Bild oben am Bino zu sehen) brachte dann doch noch „First Light“ – Hurra!
Auch im Weißlicht hat unser Zentralgestirn an dem Nachmittag viel zu bieten gehabt, eine ganze Reihe unterschiedlich großer Sonnenflecken verteilt über die gesamte Scheibe waren toll anzusehen … und die Abbildungsqualität meiner meine „Scherbe“ war wirklich gut, Mike war auch recht angetan davon.
So gegen 20:00 Uhr wurden die Bedingungen schlechter, die Sonne begann in die Cirren am Horizont einzutauchen, und so haben wir die Zelte wieder abgebrochen.
Angesichts der vielen Problemchen wäre „Pleiten, Pech und Pannen“ wohl auch ein passender Titel für den Bericht gewesen. Aber am Ende war es schön nach der langen Durststrecke mal wieder draußen gewesen zu sein, und die Sonne hat nicht enttäuscht.