18“ F 5,3 – mein Traumdob

Fast 4 Jahre hat es nun gedauert von den ersten Gedanken, Planung, Spiegelsuche und ca. 2 Jahren Bauzeit bis zur Fertigstellung. Obwohl Dobsonauten wissen: ein „Dob“ ist nie fertig, es gibt immer was zum Basteln.

Nach vielen Jahren Beobachtungen mit meinem, auch selbst gebauten, 12,5“ f 6 Dobson, reifte der Gedanke, einen neuen Dobson zu bauen. Wichtige Kriterien waren: 1. mehr Hubraum 2. kein zu schweres Teil zum Tragen 3. ohne Werkzeug aufbaubar und bestmögliche optische + mechanische Qualität. Nachdem ich mich versuchshalber im schwarzen Forum im „Suche Bord“ nach einem größeren Spiegel mit langer Brennweite erkundigte, bekam ich sogar mehrere Angebote. Ich entschied mich für den 18“ eines bekannten Spiegelschleifers. Nach ein paar Telefonaten und E-Mails trafen wir uns bei einer Veranstaltung von Hobbyastronomen(DSM) zur Übergabe des Spiegels. Da ich parallel schon mit dem Bau des Gitterrohrdobson begonnen habe, musste für den Spiegel ein Dummy aus Marmor herhalten. Ich habe mich wieder für eine Gitterrohrkonstruktion aus Multiplex Birke und Alurohren entschieden, da sich diese beim Bau meines 12,5“ bewährt hatte. Zum Glück gibt es bei den Backnanger Sternguckern viele Spezialisten die mich da ab und zu unterstützen konnten. Das 18 Punkteauflage-Design der Spiegelzelle wurde mit dem Programm Plop berechnet und Dennis hat Zeichnungen dazu 1:1 ausgedruckt. Mir war am wichtigsten, dass die Rändelmuttern mit eingeklebter Edelstahlgewindestange soweit wie möglich außen sitzen um zum Justieren die komplette Spiegelzelle verstellen zu können. Das Grundgestell schweißte mir ein Bekannter Schlosser aus Edelstahl, da der Spiegel ja nur 25mm dick ist brauchte ich hier wegen des Gewichts nicht zu geizen. Auch die Wippen sind aus Edelstahl, lediglich die Dreiecke aus Alu lagern vertieft auf Messingkugeln.

Die Vorlage für die Multiplex Birke Teile: Rockerbox, Höhenräder, Spiegelkiste und Hut entstanden auch am PC und dienten für Dieter Martinis CNC-Fräse als Vorlage. Nun begann der Teil der Arbeit der am aufwendigsten war, Schleifen, Verschrauben und Lackieren. Was diverse technische Details, wie zum Beispiel die Größe der Teflonpads betrifft, so habe ich mich wie bei meinem 12,5“ an die Bibel der Dobsonbauer von Kriege/Berry gehalten.
Die Größe der Höhenräder bringt natürlich Stabilität, ich hätte sie auch etwas kleiner machen können. Die Form der Sichel habe ich nicht gewählt weil ich die Mittelachse greifbar haben wollte um später vielleicht einmal Encoder nachrüsten zu können. Parallel dazu habe ich das Azimut Lager/Achse in der Rockerbox mit einem Innengewinde versehen und versenkt, damit auch hier nachgerüstet werden kann. Die seitliche Nut neben dem EbonyStar-Streifen habe ich Dennis zu verdanken, durch ein zusätzliches Teflonpad habe ich mehr Stabilität und eine Führung der Spiegelkiste in der Rockerbox.

Die Alu Rohre mit 1,50m haben einen Durchmesser von 30mm bei einer Wandstärke von 1mm und sind schwarz eloxiert. In der Spiegelkiste wird das Rohr durch einen geschlitzten Multiplex Birke Block mit einem Spannhebel  geklemmt, zum Hut wird es schon etwas kniffliger.
Hier hat mir Astro-Holgi mit seiner Werkstatt sehr geholfen. Aus Alu wurden Ösen für die Rohrenden gefertigt und mit Akepox fest verklebt. Für jeweils zwei Rohre wurde ein Alu Block gefräst in denen die Rohre mit dem kleinstmöglichen Spiel verschraubt wurden, nun bekamen die Blöcke in der Mitte noch einen Schlitz an dessen Ende eine größere Bohrung saß. Wenn man die Rohre nun in die Spiegelkiste setzt, kann man den Hut, an dessen unteren Ring vier Spannhebel sitzen, aufsetzen. An den Gewindeenden der Spannhebel sitzen Stoppmuttern die durch das Loch des Blocks passen, wenn man nun den Hut in den Schlitz hineindreht kann man die Spannhebel festziehen.
Auch die Fangspiegelhalterung, sowie die Spinne entstanden in der Werkstatt von Astro Holgi. Wichtig war auch hier wieder eine Fangspiegelverstellung ohne Werkzeug, und Gewicht zu sparen. Gegenüber meinem 12,5“ bekam der Hut einen Filterschieber, die Filter bleiben im Schieber verschraubt und werden in einer separaten Schachtel aufbewahrt, so dass bei Bedarf ohne großes Gefummel je nach Objekt der Schieber zum Einsatz kommt.
Als Aufsuchhilfe hatte für mich der Telrad oberste Priorität. Ich hatte ihn zuerst an den Hutrohren befestigt, was sich bei den ersten Tests als zu hoch erwies. Da kam Martin Benzenhöfer mit seiner Telrad Halterung für den Sucherschuh gerade rechtzeitig, durch einen am unteren Ring montierten Sucherschuh konnte ich den Telrad 20cm tiefer und näher an den Beobachter befestigen. Ob der gigantische 80mm Sucher an der gleichen Stelle zum Einsatz kommt wird die Praxis noch zeigen.
Zu guter letzt musste noch ein Stoff für die Socke beschafft werden. Der erste war zu schwer der zweite zu kurz, da in der falschen Richtung elastisch. Erst nach dem dritten Versuch konnte meine Frau die Nähmaschine anwerfen. Fast hätte ich es vergessen, bei der 30mm Handgranate, dem Bino und dem Sucher, geht mein Hut doch in die Knie. Also bin ich gerade dran eine Halterung für zusätzliches Gewicht an der Spiegelbox zu basteln.

Hier noch ein paar technische Daten:
18“ Spiegel 460mm Brennweite 2411mm F 5,24 Randdicke 25mm Eigenschliff
3,1“ ICS Premium Fangspiegel kleine Achse 78mm RMS 0,025, PV 0,10 von ICS Augsburg
Multiplex Birke + Alurohre + EbonyStar von Dieter Martini
Okularauszug 2“BDS-NT Diamond Steeltrack aus dem Hause Baader
Filterschieber aus dem Hause Spheretec

Gewichte
Hut 6,0 kg
Okular 1,0 kg
Höhenräder 8,0 kg
Spiegelkiste mit Zelle 14,5 kg
Alurohre 3,5 kg
18-Zoll Spiegel 8,3 kg
Zwischensumme 41,3 kg
Rockerbox plus 16,0 kg
Gesamtgewicht 57,3 kg
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One Comment

  1. Raymond Gress

    Das ist wirklich ein Traumdob, Mike! Ich hab‘ ja auch schon mal durchschauen dürfen und das war ein echtes Erlebnis!

    Freue mich schon auf unsere nächste Spechtelnacht!

    Grüße!
    Raymond

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