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Backnanger Sterngucker

lokal und weltweit gewebt

Erfahrungsberichte
Zeiss Spektivokulare
Eine kleine "Zeissdurchsicht"
von Mike Tomitsch

Im April 2002 sah ich bei der Firma Fernrohrland in Fellbach zwei neue Zeiss-Okulare. Da diese für ein Spektiv konzipiert waren, gab Herr Idler mir die Okulare mit und bat mich, sie an meinem 12,5-Zoll F6 Newton zu testen. Es handelte sich um Okulare mit 16,7 mm und 12,5 mm Brennweite, einem scheinbaren Gesichtsfeld von 69° und einem Augenabstand 20 mm. Da beide Okulare einen Bajonettanschluß haben gibt es wahlweise 1,25- oder 2-Zoll Adapter zur Auswahl. Mit dem 1,25-Zoll Adapter kam ich bei meinem System leider nicht mehr in den Fokus.

Bis der Himmel es endlich erlaubte die Okulare auszuprobieren war der Mond schon 10 Tage alt, deep sky Objekte kamen deshalb nicht mehr in Frage. Da es nach dem Aufbau noch etwas dämmrig war, versuchte ich am Stern Mizar mit seinem Reiterlein die Randschärfe zu vergleichen. Ich kam zu folgendem Ergebnis:

  • 16,7 mm Zeiss: Ein äußerer Rand von ca. 10% verzerrt die Schärfe, was die Gesamtabbildung nicht stört.
  • 21 mm Pentax: Bei diesem hervorragenden Okular setzt der Effekt sogar noch ein bischen früher ein.
  • 12 mm Nagler: Trotz 82° Gesichtsfeld fast bis an den Rand scharf!

Mittlerweile ist auch Reiner ten Hoevel eingetroffen und brachte sein 18 mm Celestron-Ortho mit. Bevor der Saturn im horizontnahen Sumpf versank nahmen wir uns diesen Planeten im direkten Vergleich vor:

  • 18 mm Celestron Ortho: Vier Monde sichtbar.
  • 16,7 mm Zeiss: Ein Mond mehr zu sehen, und insgesamt deutlich besser (wobei zu beachten ist, dass das Ortho schon etwas älter ist und die Vergütung bestimmt nicht so gut).

Nach dem Eintreffen eines weiteren Backnanger Sternguckers, Uli Höhn, nahmen wir uns den Jupiter vor. Wegen seiner Helligkeit bietet er sich geradezu an, um Reflektionen oder Geisterbilder zu entdecken.

  • 13 mm Nagler: Das Ur-Nagler bietet das gewohnt gute Bild.
  • 12,5 mm Zeiss: Etwas mehr Brillanz, mehr Strukturen in den Bändern, aber wie Uli Höhn gleich zu Beginn feststellte, erscheinen die Scheibchen der Monde im äußeren Drittel des Okulars nicht mehr rund.
  • Meade 12,4 mm Erfle: Reiners Forschungsokular von Meade konnte nur in der Mitte mithalten.

Für das verwöhnte Deep-Sky-Auge stellten wir als nächstes M 35, den offenen Sternhaufen in den Zwillingen, ein:

  • 16,7 mm Zeiss: Ein toller Anblick, auch wenn es nur ein paar Sterne auf Grund des hellen Mondes waren.
  • 17 mm Nagler: Der Unterschied lag nur in einem etwas größeren Gesichtsfeld.

Zum Abschluss nahmen wir noch den Übeltäter dieser hellen Nacht aufs Korn: den Mond. Zwei Dinge waren besonders grandios: zum einen Sinus Iridium mit dem Mare Imbrium und dem großen Henkel (Jura, Montes), und dann natürlich Clavius mit einer Unmenge von kleinen Kratern.

Fazit: Die Qualität der beiden Okulare überzeugte uns alle drei.

© Backnanger Sterngucker 2002 - 2009