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Backnanger Sterngucker

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Erfahrungsberichte
Fernglas Swift Audubon 8,5 x 44 ED
Bericht von Michael Altvater

Für viele Jahre war mein einziges Fernglas ein 10x50 vom russischen Hersteller Kronos. Ich hatte es kurz nach Öffnung des Ostblocks auf einem Flohmarkt für eben mal DM 30,00 gekauft. Dafür habe ich in Kauf genommen, dass die Fokussierung etwas hakelig ging und die Optik einen deutlichen Gelbstich zeigte. Wichtig war mir das vergleichsweise große Feld des Glases von etwa 6,5°. Es hat mich lange Jahre einigermaßen zufrieden gestellt, dennoch hatte ich immer nach einer Verbesserung geschielt.

Auf der Suche nach einem für mich geeignetem Qualitätsfernglas hatte ich gelegentlich Oberklasseprodukte in der Dachkantbauart vor meinen Augen, die mir deutlich zeigten, was möglich ist, die aber letztendlich für mich nicht bezahlbar sind. Deshalb sah ich mich im Mittelklassebereich der Porrogläser um. Einesteils, um die hohen Kosten der Dachkantbauart zu vermeiden, andererseits natürlich, um in der optischen Qualität eventuell ohne größere Abstriche hinzukommen.

Die für mich wichtigsten Voraussetzungen war ein großes Gesichtsfeld und eine weitgehend farbneutrale Abbildung. Ich hasse den Einblick in eine Klopapierrolle und inzwischen auch Farbstiche. Dabei war mir durchaus bewusst, dass eine exakt punktförmige Sternabbildung bis zum Rand des Gesichtsfeldes nicht zu erhalten war. Desweiteren musste das Glas alltagstauglich auch für andere Zwecke, als die Astronomie sein. Und nicht zuletzt habe ich auf eine für mich gute Bedienung geachtet. Da die 10-fache Vergrößerung meines Kronos für Beobachtungen aus der Hand bereits grenzwertig war, sah ich mich nach einem Glas im Bereich der 8-fachen Vergrößerung um.

Nach der Lektüre von vielen Berichten zur Mittelklasse habe ich mich letztendlich für das Swift Audubon 8,5x44 ED enstschieden und lies mir das Glas zur Ansicht kommen. In den dann folgenden Tagen hatte ich die Gelegenheit, das Glas mit anderen, die sich nicht in meinem Besitz befanden, zu vergleichen. Zum Einsatz kamen das CZJ Binoctem 7x50 von Gerd mit 7,3° Gesichtsfeld und das Asahi Pentax Widefield 8x40 mit 9,5° Feld von Mike.

Wie die Abb. 1 zeigt, verfügt das Swift über eine breite Fokussierwalze und daneben abgeflachte Prismengehäuse. Die übergreifenden Finger wissen also immer, ob sie das Glas sicher fassen. Die Fokussierwalze benötigt knapp zwei Umdrehungen zwischen den beiden Extremwerten. Für den Schnellgang nimmt am am besten den Mittelfinger, während zur exakten Scharfstellung durchaus der Ringfinger hinzu genommen werden kann. Ich persönlich habe mit zwei Fingern das bessere Gefühl bei Feinkorrekturen. Einen Eindruck meiner Griffposition vermittelt Abb. 3.

Ständiger Kritikpunkt beim Swift sind die drehbaren Augenmuscheln. Insbesondere der Dioptrienausgleich läuft beim Drehen der zugehörigen Muschel mit. Wird das Glas häufig zwischen den Beobachtern gewechselt, kann das auf Dauer stören. Überwiegend schaue ich aber selber durch und habe mir meine persönlichen Einstellungen gemerkt. Einmal eingestellt werden diese dauerhaft gehalten. Mit etwa 4 bis 5mm heraus gedrehten Muscheln kann ich das vollständige Feld bei bequemem Einblick übersehen. Meine Einstellungen zeigt die Abb. 4.

Brillenträger werden leider nicht auf Ihre Kosten kommen. Dazu reicht die Pupillendistanz von 16mm nicht aus. Lediglich bei vollständig eingefahrenen Augenmuscheln war das Gesichtsfeld für mich mit Lesebrille gerade eben noch zu übersehen. Die weichen Augenmuscheln werden eine Brille zwar nicht zerkratzen, aber als bequemen Einblick möchte ich das nicht bezeichnen.

Ganz besonders gespannt war ich auf die Farbkorrektur dieses Glases. Hierzu habe ich dunkle, kahle Äste vor einem mit Schleierbewölkung verhangenen Himmel beobachtet. In den zentralen zwei Dritteln des Gesichtsfeldes fiel mir keinerlei Farbfehler auf. Erst im äußeren Drittel des Feldes konnte ich leichte Blausäume feststellen. Nach diesen hatte ich natürlich gesucht und muss eingestehen, dass im Alltagsgebrauch hier wohl keine Einschränkungen bestehen. Im Gegensatz dazu zeigte ein 8x30 Glas von Zeiss West über das gesamte Feld blaue und gegenüberliegende gelbe Säume an solchen kontrastreichen Objekten. Diese Angabe ist allerdings aus meiner Erinnerung, da Gerd, der ehemalige Besitzer des 8x30, dieses inzwischen verkauft hat.

Auch die Schärfeleistung war im Bereich der zentralen zwei Drittel des Feldes sehr gut. Zum Rand hin traten bogenartige Verformungen der Sternabbildung auf, die sich allmählich konzentrisch zum Gesichtsfeldrand anordneten. Das 7x50 Zeiss Jena Glas von Gerd war randscharf, aber um den Preis des wesentlich kleineren Feldes von etwa 50° scheinbar. Das Pentax Weitwinkelglas von Mike hat in der Schärfeleistung fast ebenso gut abgeschnitten, bei nominell etwas größerem Feld.

Ebenfalls im Vergleich zu den beiden genannten Gläsern habe ich versucht, die Transparenz abzuschätzen. Im Spätherbst 2007 stand der Komet Holmes in einem sternreichen Feld im Perseus. Hier lag es nahe, entsprechende Beobachtungen zu machen. Das Zeissglas hatte zwar die größere Öffnung, aber für nur durchschnittlichen schwäbischen Landhimmel zu viel Austrittspupille. Das Swift hat somit stets schwächere Sterne gezeigt, als das Zeiss Binoctem. Näher beieinander lag der Vergleich mit dem Pentax Widefield. Auch hier hatte das Swift die Nase vorn, man musste allerdings etwas genauer hinschauen. Sterne, die im Pentax gerade eben indirekt zu erkennen waren, standen im Swift eindeutig bei direkter Sichtung im Feld. Das ist wohl nicht nur den 4mm größeren Öffnung, sondern auch der moderneren Vergütung des Swift geschuldet.

Im Allgemeinen sind Reflexe einer außerhalb des Gesichtsfeldes liegenden Lichtquelle nicht sehr ausgeprägt. Allerdings sind mir, sagen wir mal, asymmetrische Reflexe aufgefallen. Liegt der helle Mond auf der Position 10:00 Uhr knapp außerhalb des Gesichtsfeldes, dann geht ein starker balkenförmiger Reflex quer durch das linke Gesichtsfeld, in Richtung 4:00 Uhr. Genau umgekehrt ist es, wenn der Mond auf 2:00 Uhr außerhalb des Feldes steht. Dann ist nur die rechte Hälfte des Fernglases von diesem Balkenreflex betroffen.

In Richtung Gesichtsfeldrand tritt eine leichte kissenförmige Verzeichnung auf. Diese ist lediglich an geraden Linien, wie Hauswänden erkennbar. Bei Naturbeobachtungen und am Nachthimmel, wo normalerweise keine geraden Linien vorkommen, spielt die Verzeichnung keinerlei Rolle.

Der Blick durchs Fernglas von der Objektivseite auf einen hellen Hintergrund zeigte keine Hindernisse im Strahlengang. Man kann zwar deutlich erkennen, dass es im Gehäuse recht eng zugeht, aber bei der Konstruktion wurden diesbezüglich keine Fehler gemacht.

Für meine mit Altersweitsicht geschlagenen Augen (ca. 1,5 Dioptrien) liegt die Grenze für die Naheinstellung bei gemessen etwa 3,1m bis 3,2m, was recht genau der Herstellerangabe entspricht. Das ist zumindest ausreichend, um die Fluchtdistanz vieler Kleintiere und größerer Insekten auf der Wiese oder am Teich anzutesten.

Die letzte Abbildung zeigt den Stativanschluss an der Vorderseite der Knickbrücke. Durch eine federnde Kugel wird das 1/4-Zoll Gewinde von innen verschlossen. Kein Ärger also mit irgendwelchen Deckelchen, die im Dunkeln auf der Wiese zum spurlosen Verschwinden neigen. Das Einfädeln des Stativadapters benötigt allerdings durch den Federdruck auf die Kugel etwas mehr Fingerspitzengefühl.

Ein letzter, zugegeben etwas unfairer, Praxisvergleich am Himmel mit dem Fujinon FMT-SX-2 10x50 zeigte die Grenzen des Swift auf. Das Fujinon dürfte als Astroglas in seiner Klasse unübertroffen sein, zeigte es doch bei etwa gleich großem scheinbaren Gesichtsfeld bis zum Randbereich eine ausgezeichnete Schärfe. Bei vermuteter gleichwertiger Transmission waren, aufgrund der größeren Öffnung des Fujinon, deutlich schwächere Sterne zu erkennen. Bedingt durch das hohe Gewicht und die Einzelverstellung der Okulare mangelt es dem Fujinon allerdings etwas an Alltagstauglichkeit.

Technische Daten

Die Herstellerangaben der folgenden Tabelle habe ich den Seiten von fernoptik.com entnommen oder entsprechend dieser Angaben berechnet, zum Beispiel das scheinbare Gesichtsfeld. Soweit es mir möglich war, habe ich die Angaben zumindest qualitativ nachvollzogen. Angaben mit Toleranzwerten sind von mir, natürlich im Rahmen meiner Möglichkeiten, nachgemessen.

  Herstellerangabe selbst gemessen
Vergrößerung 8,5 fach -/-
Öffnung 44mm 44mm
Austrittspupille 5,2mm gut eingehalten (Schätzung)
scheinbares Gesichtsfeld 69,7° -/-
tatsächliches Gesichtsfeld 8,2° -/-
Sehfeld auf 1000m 143m -/-
Pupillendistanz 17mm 16mm (+0,5/-0,0)
Naheinstellgrenze 3m 3,2m (+0,0/-0,1)
Augenabstand laut Skala 54mm - 71mm -/-
Gewicht 856g 845g, inkl. Tragegurt

Fazit

Mit einem Listenpreis von € 459,00 (Stand Februar 2008) ist das Swift Audubon 8,5x44 ED kein Schnäppchen. In der Summe seiner Eigenschaften erscheint es mir aber preiswert. Solange man beim Beobachten keine Brille benötigt und über keinen überbreiten Augenabstand (>71mm) verfügt, trifft man meines Erachtens beim Kauf eine gute Wahl. Die Kompromisse, die man eingeht und die ich in diesem Bericht beschrieben habe, sind marginal und werden von mir ohne Bedauern hingenommen.

Bedanken möchte ich mich bei Simone Hauptmann von fernoptik.com. Sie hat es mir ermöglicht, vor dem Kauf das Glas ausführlich zu prüfen. Auch wenn ich das Testglas nicht behalten durfte, mein persönliches Glas, das ich nach dem Test erhielt, stand dem Testglas nicht nach. Die Fertigungstoleranzen halten sich also beim Vergleich zwischen zwei Gläsern im unmerklichen Bereich auf.

© Backnanger Sterngucker 2002 - 2009