

Am 1. Mai 1987 war es soweit, der auf dem ITT 1986 vereinbarte Besuch bei den Wertheimern fand heute statt. Karl Reiner ten Hoevel und ich machten uns auf den Weg.
Die Sechsmeter Kuppel der Sternwarte Wertheim beherbergt das grosse Spiegelteleskop des "Bauernastronomen" Johann Kern, ein tonnenschweres Instrument auf einer Balkenmontierung. Die gewaltigen Ausmaße des Instruments beeindrucken. Zum Okularauszug steigt man über eine 3 m hohe Gangway nach oben.
Als Erstes wird bei Einbruch der Dunkelheit der Kugelhaufen M3 eingestellt. Der 24-Zöller löst ihn bis in die Kernbereiche auf. Bei M82 kann man richtig Strukturen sehen.
Ich seile mich aus der Kuppel ab, denn draussen wird etwas aufgebaut: Ein 17,5-Zoll F4,5 Newton, Gewicht inklusive der Montierung etwa 300 kg. Mit einem 20 mm Nagler bewaffnet verbringe ich den Rest des Besuchs an diesem Teleskop.
Im 17,5-Zöller ist M51 mit voller Spirale und Brücke zum Begleiter sichtbar. NGC4665 in Coma zeigt sich mit deutlichem Staubstreifen entlang der Kante! M104, die Sombrerogalaxie in der Jungfrau, habe ich bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal gesehen, ein Anblick wie auf einer Fotografie.
Bis etwa 2 Uhr lustwandle ich in den Galaxienhaufen von Coma, Jungfrau und Löwen. Dann heißt es leider wieder Abfahrt. Um 3:30 Uhr kommen wir dann in Backnang an.
Diese Nacht hatte allerdings weitreichende Folgen. Das Öffnungsfieber hat mich erwischt! Am 9. Mai 1987 gebe ich mein 75 mm Unitron an Stefan Thiele zum Verkauf ab und bestellte am 2. Juli 1987 über ihn einen 17,5 Zoll-Spiegel von Coulter. Lieferzeit sollte laut Coulter bei Bestellungseingang etwa ein Jahr sein, es vergingen aber über zwei Jahre bis zur Lieferung.