


Jahrelang, wenn nicht gar Jahrzehnte, hat ein astronomisches Grossereignis im wahrsten Sinne des Wortes seinen Schatten vorausgeworfen. Am 11. August 1999 hat der Mond die Sonne über Süddeutschland total verfinstert und dieses Ereignis zog Touristenströme aus aller Herren Länder in den Süden Deutschlands.
Auch die Stadt Backnang hat, zusammen mit uns, die Werbetrommel gerührt und zur Party auf der Bleichwiese geladen. Normalerweise wird das Gelände als Parkplatz für die umliegenden Geschäfte genutzt, aber an diesem Tag gehörte der Platz uns und unseren Besuchern. Gerüchterweise sollen es etwa 5000 gewesen sein. Für das leibliche Wohl sorgten Grill- und Getränkestände. Lifemusik verschiedener Bands und kurze Ansprachen, moderiert vom SWR3-Moderator Jochen Graf, trugen zur Unterhaltung auf der Bühne bei. Auf eine 3 m mal 4 m LED-Großbildwand wurden Lifebilder, auch von anderen Orten auf der Zentrallinie, eingespielt.
Ein abgesperrter Bereich stand Amateurastronomen mit ihren Teleskopen an der Straßenseite des Geländes zur Verfügung. Dort trafen wir uns ab etwa 9:00 Uhr mit unseren auswärtigen Astrofreunden, die gern unserer Einladung gefolgt waren. Filterbewehrte Fernrohre wurden für die Beobachtung aufgebaut. Eine weiß beschichtete und auf dem Boden ausgelegte Platte sollte das Phänomen der fliegenden Schatten zeigen. Eine kleine Ecke innerhalb der Absperrung war für den 30-Zöller reserviert, mit dem aber nicht beobachtet wurde. Mit Astroequipment von Zeiss Jena und professioneller Videoausrüstung reisten Berthold Kohlmeyer und seine Crew im Kleinlaster an. Sein Video konnte man kurz nach der Sonnenfinsternis käuflich erwerben.
Auch der öffentliche Bereich füllte sich am ziemlich schnell. Dank der Berichterstattung in den Medien hatte fast jeder eine Finsternisbrille zum Schutz der Augen während der partiellen Phase zur Verfügung. Wer noch eine benötigte, konnte sie in den umliegenden Geschäften kaufen. Das Wetter versprach zunächst einen leicht bewölkten Sommertag und immer mehr spiegelnde Augen starrten synchron Richtung Sonne, die langsam vom Mond angeknabbert wurde. Parallel konnte der Stand der Dinge auch auf der Großbildwand verfolgt werden.
Gegen Mittag füllte sich die Bleichwiese merklich. Viele Besucher kamen von ihren Arbeitsplätzen und verbrachten eine etwas ausgedehntere Mittagspause bei uns, um sich die Show nicht entgehen zu lassen. Gerd Huissel und Ewald Müller übernahmen, unterstützt durch den Moderator, auf der Bühne das Regiment und erklärten in allgemeinverständlichen Worten, wie eine Sonnenfinsternis zustande kommt und was die Zuschauer zu Sehen bekämen.
Wenige Minuten vor der Totalität stellte sich doch noch das Pech ein. Eine Wolke schob sich vor die Sonne. Diamantring, Korona, fliegende Schatten? Nichts davon war zu sehen. Aber die sich plötzlich einstellende Dunkelheit führte zu einem Raunen im Publikum. Pünktlich nach dem dritten Kontakt lugte die Sonne als schmale Sichel wieder hinter der Wolke hervor. Glücklicherweise hat Michael Dorn, etwas außerhalb, nicht ganz ungetrübte Sicht auf die Sonne für seine Bilder gehabt.
Als es wieder hell wurde, verließen die ersten Besucher die Veranstaltung, da sie wieder an ihre Arbeitsplätze zurück mussten. Etwa eine Stunde nach Ende der Totalität setzte starker Regen ein, was einen Großteil der übrigen Besucher veranlasste, das Gelände zu verlassen. Trotz der verschiedenen Widrigkeiten konnten wir zum Schluss ein positives Fazit ziehen. In dieser Form eben ein einmaliges und nicht wiederholbares Ereignis.