







Am Morgen des 28. März holte uns nach einem reichhaligen Frühstück ein Reisebus in unserem Hotel in Avanos zu unseren Ausflügen ab. Zunächst wurden unsere Mitreisenden, die im Green Motel im Nachbarort Çavusin untergebracht waren, eingesammelt. Ein dicht gepacktes Programm erwartete uns für diesem Tag.
Für die Jahreszeit hatten wir einen recht warmen Tag erwischt. Die Temperaturen stiegen bis zum Nachmittag auf Werte von über 20°C an. Überall in der Gegend blühten die Aprikosen- und Pfirsichbäume in weiß, sowie gelegentlich Mandeln in violett-rosa. Dennoch war noch so gut wie kein Baum belaubt, die Nächte waren in diesem Frühling gerade mal eben frostfrei.
Unsere Fahrt führte uns zunächst in das nahe gelegene Uçhisar, wo wir die Felsenfestung bestiegen. Zahllose Wohnhöhlen und Vorratskammern wurden in den Fels eingeschlagen. Von dieser in weitem Umkreis höchsten Erhebung genießt man einen wunderbaren Rundblick über Kappadokien. Oben angekommen sollte man sich nicht zu weit vorwagen, da die schroffen Abhänge ungesichert sind und teilweise senkrecht nach unten führen. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen, zu einem Gruppenbild auf dem Gipfel zu posieren.
Wie uns mitgeteilt wurde, hatten wir an diesem Vormittag Glück, den normalerweise von Wolken verhangenen Gipfel des Erciyes Daği in der Ferne frei erkennen zu können. Dieser heute erloschene Vulkan ist mit seinen vorgeschichtlichen Ausbrüchen, zusammen mit der jahrtausende einwirkenden Erosion, verantwortlich für das heutige Landschaftsbild von Kappadokien mit seinen Tuffsteinformationen, Feenkaminen und tief eingeschnittenen Tälern.
Weiter ging es zur Besichtigung einer unterirdischen Stadt in der Nähe von Kaymakly. Von den insgesamt 13 Stockwerken unter der Erde sind für das Publikum die ersten 4 zugänglich. In den restlichen Stockwerken finden aktuell noch Ausgrabungen statt. Die unterirdischen Städte wurden von unseren Vorfahren als Zuflucht vor einfallenden feindlichen Horden genutzt. Mit eigener Wasserversorgung und den eingelagerten Vorräten konnten sich die Menschen mehrere Monate darin aufhalten. Auch das Vieh fand in separaten Stallhöhlen Platz. Der Eingang und viele separate Abschnitte konnten mit mühlsteinartigen großen runden Steinplatten verschlossen werden.
In den engen Verbindungsgängen zwischen einzelnen Wohnhöhlen und Vorratsräumen mussten wir uns teilweise in der Hocke vorwärts bewegen. Für uns untrainierte und hochgewachsene Mitteleuropäer war das ganz schön anstrengend. Einen Eindruck vermittelt das Bild mit
Von der hohen Qualität der Selbstversorgung innerhalb der Stadt zeugte auch ein Mühlstein in einer Kammer. Hier konnte das eingelagerte Korn zu Mehl gemahlen werden, bevor es in den Backstubenhöhlen zu Brot verarbeitet wurde.
Hungrig und durstig begaben wir uns anschließend zu einem ausgiebigen Mittagessen in ein Restaurant etwas außerhalb von Uçhisar. Frisch gestärkt nahmen wir die Gelegenheit wahr, von dem gegenüber des Restaurants gelegenen Aussichtspunkt mit seinen unvermeidlichen Andenkenläden Uçhisar aus einer etwas anderen Perspektive zu betrachten. An die sanfteren Abhänge der Felsenfestung schmiegte sich das neue Dorf, während sich weiter unten im Tal das alte und heutzutage unbewohnte Dorf in ausgehöhlten Tuffsteinkegeln befand.
Ein Teil des Tales wird landwirtschaftlich genutzt. Auf der Talsohle befinden sich Obst- und Gemüsegärten, während sich in den Tuffsteinwänden zu Taubenschlägen umfunktionierte Höhlen befinden. Der hier gewonnene Taubenmist wird zur Düngung der Gärten und Felder verwendet.
Mit dem Bus fuhren wir anschließend weiter zum Freilichtmuseum von Göreme. Hier präsentiert sich auf engstem Raum eine hohe Dichte in die Felsen eingeschlagener Höhlen in einer parkähnliche gepflegten Umgebung. Befestigte Wege und gelegentliche Ruhebänke wurden von uns dankbar angenommen.
Da sich neben uns noch weitere Touristengruppen auf dem Gelände befanden nahmen wir gerne das Angebot einer Führung durch die Anlage mit ihren vielen Höhlenkirchen wahr. Die ersten Christen siedelten sich ab dem dritten und vierten Jahrhundert in dieser Gegend an. Allerdings stammen die meisten Fresken in den Kirchen aus der wesentlich späteren byzantinischen Zeit. Gelegentlich waren diese prachtvollen Kirchenbilder aber abgeblättert und darunter kamen die einfachen und einfarbig rot gehaltenen Muster aus früherer Zeit zum Vorschein. Ab dem elften Jahrhundert eroberten die islamischen Seldschuken das Land. Die Auswirkungen des islamischen Bilderverbotes zeigen sich in den teilweise zerstörten Gesichtern der Heiligenfiguren der Fresken.
Kappadokien war die Heimat der drei kappadokischen Väter. In der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts wirkten hier die Bischöfe und Kirchenlehrer Basileus von Caesarea (Kayseri), Gregor von Nyssa (Nevşehir) und Gregor von Nazianz (Nenisi). Alle drei schlugen sich im arianischen Streit auf die Seite der Trinitarier und verhalfen dieser später zum kirchlichen Dogma erhobenen Lehre zum Sieg.
Den Abend dieses anstrengenden Tages nutzten wir, um ein letztes Mal unsere Gerätschaft vor dem großen Ereignis zu überprüfen. Im Hotelgarten bauten wir die Instrumente auf und konnten alles für gut befinden. Allerdings wurde die Nacht sehr schnell empfindlich kühl und die Durchsicht war nicht so gut, als dass sich eine längere Beobachtungssession gelohnt hätte, zumal der Himmel relativ stark durch die Lichtverschmutzung von Avanos beeinträchtigt war.