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Backnanger Sterngucker

lokal und weltweit gewebt

Merkurtransit am 7. Mai 2003
Ein Beitrag von Michael Altvater

Beobachtungsplatz im Dunst
Der Beobachtungsplatz frühmorgens
bei noch leichter Bewölkung

Reiner am Coronado
Reiner am kleinsten anwesenden
Fernrohr, das es allerdings in sich hatte

TMB 105/650 mit Bino
Mike Tomitschs kurzer Refraktor
mit TMB 105/650-Optik, vorbereitet
für binokulares Vergnügen

Micha Altvater und das Lidlscope
Micha Altvater, in Ehrfurcht gebeugt
beim Blick durch sein Lidl-Fernrohr

Merkur vor der Sonne
Dunkler Merkur vor der hellen
Sonnenscheibe, aufgenommen mit
Webcam Philips Vesta pro an
Gerds Zeiss AS130/1950 Refraktor

Sonne in H-Alpha
Sonnenrand mir Fleckengruppe und
Flares, aufgenommen mit Webcam
Philips Vesta pro am Coronado

Sonne in H-Alpha
Grosser Sonnenfleck, Merkur und
Flares, aufgenommen mit Webcam
Philips Vesta pro am Coronado

Am frühen Morgen des 7. Mai 2003 fanden sich acht von uns auf dem Parkplatz zwischen Stöckenhof und Bürg auf den Höhen oberhalb von Winnenden ein. Noch war die Sonne hinter einer Wolke am Osthorizont verborgen. Pünktlich nach dem Aufbau der Teleskope und zum ersten Kontakt um 7:11 Uhr hatte sich die Bewölkung aber verzogen. Es begleitete uns jedoch den gesamten Vormittag ein etwas eingetrübter Himmel, der dem Vergnügen aber keinen Abbruch tat und zumindest in der ersten Zeit ein ganz passables Seeing bot.

Dem Ereignis angemessenen haben Refraktoren in jeder Grösse den Platz beherrscht. Neben Gerds langem Zeissungetüm mit einer AS130/1950-Optik und Mike Tomitschs Reiserefraktor mit TMB 105/650-Objektiv waren auch zwei der legendären Lidl-Fernrohre vertreten. Später kam noch ein 80mm Celestron Refraktor, aufgestellt von Reiner, hinzu. Daneben gab es zwei 8-Zoll SC-Teleskope, ein 5-Zoll Maksutov und ein 8-Zoll Newtonteleskop. Am Newton hat Jürgen fleissig mit seiner Videokamera das Ereignis festgehalten.

Naturgemäss waren die Folienfilter zur Dämpfung des Sonnenlichts in der Überzahl, Michael Dorn verwendete aber an seinem 8-Zoll SC-Teleskop einen Glasfilter für die volle Öffnung. Unübertroffene Bilder wurden jedoch mit den beiden Herschelkeilen, einer am Zeiss AS und einer am 80mm Celestron-Refraktor, erhalten. Das Restlicht der Herschelkeile wurde weiter mit Neutralfiltern und Polfiltern gedämpft.

Ein besonderes Schmankerl brachte Reiner zum Test von Fernrohrland mit, ein Coronado NearStar 70 mit 70mm Öffnung und 400mm Brennweite. Das kleinste Teleskop auf dem Platz verfügte über einen schmalbandigen Interferenzfilter im H-Alpha-Bereich, der es erlaubte, neben der dunkelroten Sonnenscheibe auch Protuberanzen zu beobachten. Der Hersteller gibt die Bandbreite mit < 0,8 Å an. Der etwas eingetrübte Himmel setzte dem Teleskop Grenzen, aber rund um die Scheibe konnten kleinere und kompakte Protuberanzen erkannt werden. Eine grössere, aber dafür lichtschwächere Protuberanz konnte am nördlichen Sonnenrand beobachtet werden.

Während der Minuten des ersten und zweiten Kontaktes war es auf dem Platz relativ ruhig. Jeder hat für sich an seinem mitgebrachten Fernrohr beobachtet, nur kurz von Zwischenrufen zur gegenseitigen "Synchronisation" des Gesehenen unterbrochen.

Nach den ersten Kontakten wurde die Angelegenheit geselliger und jeder wanderte von einem zum anderen Teleskop, um die dort erhaltenen Bilder zu begutachten. An den dafür geeigneten Teleskopen wurden Binokularansätze angebracht, die für einen fast dreidimensionalen Eindruck sorgten. Auch die unter Amateurastronomen übliche Fachsimpelei über Optiken und Teleskope kam nicht zu kurz.

Angesichts der Tatsache, dass auf der Sonnenoberfläche die ruhigeren Zeiten bevorstanden, konnten wir eine erkleckliche Anzahl an Sonnenflecken feststellen. Zentral hat sich ein grosser Einzelfleck präsentiert, der beim Blick durch ein Sonnenfilter mit dem blossen Auge erkannt werden konnte. Die grosse Fleckengruppe, die sich noch eine Woche zuvor in der Mitte der Sonnenscheibe befand, verschwand gerade am Rand und zeigte viele ausgedehnte Flares, während sich ein kleiner Doppelfleck auf der anderen Seite gerade halb bis zur Mitte vorgearbeitet hatte. Etwas nördlich des Sonnenäquators, fast schon in Höhe des Zentralmeridians, konnte eine Gruppe aus winzigen Flecken, zwischen zwei und sechs, je nach Leistungsklasse des Teleskops, wahrgenommen werden.

Mit einer Philips Vesta Pro Webcam haben wir versucht, den Merkur vor der Sonne abzulichten. Am 130mm-Zeiss konnten wir im Primärfokus eine brauchbare Bildsequenz von etwa 450 Bildern gewinnen. Das auf dieser Seite präsentierte Bild verwendet für die Addition etwa 25% der besten Bilder dieser Sequenz. Zum Einsatz kam das Programm Giotto von Georg Dittie. Die Nachbearbeitung erfolgte mit Picture Publisher 9 von Micrografix. Die Rot- und Blauanteile des Bildes wurden im Kontrast etwas zurückgenommen, das Bild hätte sonst einen noch kräftigeren violetten Stich gehabt. Anschliessend wurde der Kontrast allgemein verstärkt und das erhaltene Bild nachgeschärft. Für die Veröffentlichung wurde das Bild dann noch auf etwa 60% seiner ursprünglichen Grösse verkleinert.

Auch das Coronado wurde mit der Webcam gequält, um Sonnenbilder im H-Alpha-Licht zu erhalten. Trotz geringer Erfahrung mit der Webcamfotografie gelangen zwei brauchbare Bildsequenzen mit je etwa 300 Bildern, wovon wiederum etwa jeweils 25% mit Giotto aufaddiert wurden. Die kurze Brennweite hat fast ausgereicht, um die Sonne formatfüllend auf dem Chip abzulichten, aber leider nur fast. Deshalb haben wir hier aus den beiden Summenbildern je einen Ausschnitt verwendet. Mit Picture Publisher wurden die Werte für den Blau- und den Grünkanal auf 50% zurückgenommen, was dem visuellen Eindruck am Teleskop näher kommt. Zudem wurde der Kontrast verstärkt und die ganzen Bilder nachgeschärft.

Das erste Bild zeigt die ein paar Tage zuvor sehr gut beobachtbare riesige Fleckengruppe, die nunmehr am Sonnenrand gerade verschwand. Deutlich sind einige Flare und ein paar winzige Protuberanzen erkennbar. Das zweite Bild, das hier auf etwa 50% seiner ursprünglichen Grösse verkleinert wurde, zeigt Merkur vor der Sonnenscheibe und den dicken Sonnenfleck, der sich fast zentral präsentierte, sowie einige ausgedehnte Flares.

Ein sehr schöner Vormittag ging mit dem dritten und vierten Kontakt, den jeder wiederum visuell am Teleskop verfolgte, zu Ende. Nach einer Pause, um die Eindrücke auf sich wirken zu lassen, haben wir gegen 13:00 Uhr gemütlich abgebaut und sind dann gegen 14:00 Uhr jeweils unserer eigenen Wege gegangen. Schmerzhafte Folgen dieser Veranstaltung, wie schwerwiegende Sonnenbrände, konnten allgemein vermieden werden.

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