


In den Alpen ist stabiler Hochdruck angesagt, so treffen sich bereits mittags die Fahrgemeinschaften, um die Strecke bis zum Abend hinter sich zu bringen. Vor allem Reiner und Michael Altvater, die den 30-Zöller auf dem Anhänger hinter sich herziehen, fahren frühzeitig los. Pünktlich zum Sonnenuntergang haben sich Reiner, Michael Altvater, Michael Dorn, Uwe Karg, Georg, Albert, Uli und Mike auf dem etwa 2800 m hohen Gletscherparkplatz eingefunden.
Das hochalpine Panorama wächst am Horzont hoch hinaus, besonders im Südosten und im Bereich von Südwest bis Nord stehen die Riesen im Weg. Der Polarstern ist allerdings sichtbar. Das völlige Fehlen von Fremdlicht und nur eine geringe Luftfeuchtigkeit garantieren visuell einen fantastischen Himmel, die Grenzgrösse liegt bei mindestens 6,5m. Das Seeing lässt allerdings zu wünschen übrig, zumindest in der ersten Nachthälfte. Die Planeten konnten leider nicht besonders hoch vergrößert werden.
Zu Beginn der Nacht steht der Schütze hoch im Süden. Ein Einschnitt im Bergpanorama erlaubt einen fantastischen Anblick aller Nebel im 8-Zöller und im 16 x 70 Fujinon, mit oder ohne Filter. Meinen Lieblings-Kugelsternhaufen M22 sehe ich das erste Mal im 30-Zöller - super! Auch der Helixnebel NGC7293 ist im 30-Zöller riesig, nicht nur hinsichtlich der Winkelausdehnung. Die Sculptorgalaxie NGC253 füllte so manches Okulargesichtfeld. M51, die Strudelgalaxie, zeigte deutliche Strukturen in den Spiralarmen.
Der Cirrusnebel im 16 x 70 mit Nebelfilter passt komplett mit seinen etwa 3° Ausdehnung in das Gesichtsfeld. NGC6992 war sehr gut, der Mittelteil gut, lediglich der Sturmvogel war nicht so toll, da ihn der Stern 52Cygni überstrahlte. Nach einem kleinen Schwenk hatte ich den, noch nie so toll gesehenen, Nordamerikanebel vor meinem mit Nebelfilter bestückten Fujinon.
Aber auch im 8-Zoll Parks bei 30-fach und 2,5° Gesichtsfeld war die Bucht von Mexiko dank Uli´s OIII ein wahrer Genuß. Mit dem Newton und OIII noch einmal zurück zu NGC6992, dem deutlichsten Teil des Cirrusnebels. Ein fast schon dreidimensionaler Eindruck, wie ein Kokon mit feinsten filigranen Fäden. Man konnte sich kaum sattsehen. Auch ohne OIII ist das 40 mm Pentax mit 2,5° Feld mein Lieblingsokular geworden.
Der Doppelsternhaufen h und chi im Perseus oder die Andromedagalaxie M31, für die nicht einmal 2,5° Feld reichen, deren Begleitgalaxien M32 und M110 sowie natürlich M101 und M33 begeistern immer wieder!
Während wir Ulis frisch gebrühten Kaffee tranken und unser Höhenfrühstück einnahmen, beobachteten wir auf dem Gletscher (unser Parkplatz lag auf halber Höhe) die Skifahrer. Auf der anderen Seite stiegen vom Pitztaler Jöchel schon die ersten Bergwanderer mit Pickel und Steigeisen ab. Der Vormittag verlief ansonsten mit Montage- und Justierarbeiten wobei Uwes Laser reihum ging. Beim anschließenden Beobachten der Sonne staunte auch der eine oder andere Bergwanderer und Ausflügler mit Kindern nicht schlecht.
Nachdem sich Michael Dorn auf den Weg zum Jöchelsattel machte, schloß ich mich an, und wir stiegen die ca. 250 Höhenmeter meist über Schnee und Harsch auf. Schnaufend wurden wir oben mit tollen Ausblicken belohnt. Der Abstieg wurde dann noch zur Rutschgaudi. Nachdem Georg aus seinem Wohnmobil den Grill auspackte rundeten wir diesen schönen Sonnentag im Gebirge mit Steaks und Tannenzäpfchen, immer noch kalt dank Kühlbox, gemütlich ab.
Die Qualität des Nachthimmels war zumindest anfangs nicht ganz so gut, dazu kamen vereinzelte Cirruswolken. Zu Beginn noch ein Schützenfest mit dem 16 x 70, dann gehts zum Steinbock, und nach genauer Studie der Aufsuchkärtchen mit Uli waren Uranus und Neptun ein Kinderspiel. Meine erste bewußte Neptunsichtung!
NGC6822, Barnards Galaxie, konnte ich nicht sehen. Ich vermute, daß sie mit einer Flächenhelligkeit von 14m zu tief im Dunst war. NGC6818, den Planetarischen Nebel direkt daneben, fand ich gleich. Zwischen Atair und Wega findet man den Kleiderbügel am besten mit großem Gesichtfeld.
Stephans Quintett! Michael Altvater bestätigt die Sichtung der zwei hellsten Galaxien und das mit nur 8-Zöller. Ich war hellauf begeistert! Bei Uwes 12-Zöller und Uli´s 11-Zöller war natürlich mehr zu sehen, und im 30-Zöller sah man alle fünf Galaxien sehr schön. Was für eine Nacht! Sie wurde jäh von Reiner lautstark unterbrochen: "Ich habe genug von den Fuzzis, ich will endlich wieder Showpieces sehen!" Dem konnte mit NGC7662, dem blauen Schneeball, der immer auf meiner Topliste steht, abgeholfen werden.
Leider habe ich mir nicht alles gemerkt und aufgeschrieben, teilweise saß ich auch nur im Liegestuhl und staunte über die Milchstrasse und ihren Kontrast, sowie die scharfen Abgrenzungen zu Dunkelbereichen in Richtung Zentrum unserer Galaxis. Ach ja, da war doch noch der 30-Zöller und Michael Altvaters "einäugiger Steinbock". Der Anblick war schon toll, aber ich weiß bis heute noch nicht welches Objekt es war und wo es zu finden ist. Zum Schluß noch ein paar letzte Blicke auf Jupiter und Saturn.
Albert hat sich schon längst verabschiedet, der Rest trifft sich bei Reiner und Michael vor dem Morgengrauen dieses angebrochenen Sonntags auf ein Dosenbier oder Tannenzäpfchen. Nach einem ausgedehnten Frühstück machen sich die Fahrgemeinschaften wieder auf den Weg nach Hause. Was für ein tolles Wochenende, auch wenn es ab Kempten schon wieder regnet!