




Für dieses Jahr hatten wir uns etwas mehr vorgenommen. Der kürzlich fertig gestellte 30-Zöller wurde in zwei Kombis verpackt und zunächst auf 2800 Höhenmeter gekarrt. Zwei Nächte Gletscheraufenthalt waren eingeplant, bevor es weiter zum Teleskoptreffen auf dem Dobratsch gehen sollte. Auf die Reise machten sich Reiner ten Hoevel, Michael Dorn, Gerd Huissel, Ullrich Körner und Michael Altvater.
Nach dem Aufbau des 30-Zöllers wurden bei trübem Wetter die mitgebrachten Speisen zubereitet und eine Mahlzeit eingenommen. Das Wetter trübte sich immer weiter ein. Am frühen Abend begann es zu regnen, der Regen ging später sogar in Schnee über. Bei leichten Minusgraden suchten wir unsere Schlafstätten in den Fahrzeugen auf.
Gegen 2:00 Uhr weckte uns plötzlich Reiner. Lücken in der nebligen Wolkendecke liessen erste Beobachtungen zu. Das Band der Milchstrasse leuchtete durch die noch vorhandenen Nebelreste, die sich innerhalb etwa einer Stunde vollständig verflüchtigten. Auf dem Programm standen anschliessend diverse Deepsky-Objekte, vor allem viele planetarische Nebel mit und ohne OIII-Filter. Viele der Nebel haben einen fast schon plastischen Eindruck hinterlassen. Ohne Filter traten Kugelsternhaufen fast vollständig aufgelöst aus dem allgemeinen Hintergrund hervor und auch weniger bekannte Galaxien zeigten Spiralstrukturen. Eine halbe Stunde vor Beginn der Dämmerung war als krönender Abschluss das leuchtende Dreieck des Zodiakallichtes am Osthimmel zu sehen.
Es dauerte sehr lange, bis zum späten Vormittag, bis die Sonne aus dem Schatten eines Berges trat. Stundenlang lief sie knapp hinter dem Berg parallel zu seiner Kante auf ihrer Bahn. Erst gegen 10:00 Uhr erwärmte sie unseren kalten Frühstückstisch.
Da wir wegen des Wetters kein unkalkulierbares Risiko bei unserem Gletscheraufenthalt eingehen wollten, beschlossen wir, sobald die Strasse von Eis- und Schneeresten befreit war, bereits an diesem Donnerstag in Richtung Dobratsch aufzubrechen. Immerhin hatten wir alle noch die Sommerreifen auf unseren Fahrzeugen und keiner hatte Lust auf eine Rutschpartie die Gletscherstrasse hinab.
Ein weiterer Tag auf der Strasse, am frühen Nachmittag haben wir den Gletscher verlassen und kämpften uns durch dichten Verkehr mit teilweisen Stauungen Richtung Kärnten. Je weiter wir nach Süden kamen, desto schlechter wurde das Wetter. Bei einsetzender Dämmerung und bei Nebel und Regen erklommen wir die mautpflichtige Villacher Alpenstrasse auf die Höhen der auf etwa 1750 m liegenden Parkplätze.
Der mittlere Parkplatz war bis dahin noch relativ dünn besiedelt, wir bekamen einen Platz fast in der Mitte, mit dem wir hoch zufrieden waren. Viel Platz für den Schwenkbereich des 30-Zöllers. Beim Aufbau waren wir recht bald von interessierten Zuschauern umgeben, war doch das Teleskop in diesem Jahr das grösste auf dem Platz.
Leider lassen sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (2003) die beiden Tage aus der Erinnerung nicht mehr auseinander halten, deshalb gibt es hier eine Zusammenfassung. Nebel und Nieselregen haben dominiert, Reiner brachte seinen privaten Sternenhimmel in Form eines auf der Innenseite bedruckten Schirmes mit. In Gerds beheiztem VW Bully konnte man sich schichtweise aufwärmen und Karten spielen. Gerne wurde auch der etwa 10-minütige Spaziergang zur Aichinger Hütte unternommen.
In den paar klaren Nachtstunden, die zur Verfügung standen, zeigte sich der Nachteil, wenn man mit einem so grossen Fernrohr unterwegs ist. Es bildeten sich lange Schlangen vor dem Aufstieg zum Okular. Immer wieder wurden wir auch gebeten, das eine oder andere Showpiece einzustellen, das kannte man und konnte es mit dem Anblick im eigenen Fernrohr vergleichen. Bewaffnet mit einem h?-Filter war dann doch noch, auch für manchen alten Hasen, Premiere. Der Pferdekopfnebel zeigte sich in seiner blassen Pracht. Nachdem er einmal genau lokalisiert war, konnte er auch im 8-Zöller, zum Beispiel bei Herbert Zellhuber, gefunden werden.
Für den Autor war es die erste Veranstaltung dieser Art und daher hat es sich auf alle Fälle gelohnt, sich diese besondere Atmosphäre um die Nase wehen zu lassen. Als Trophäe brachte er noch ein 26 mm Plösslokular mit nach Hause, erworben kurz vor der Abfahrt am Sonntag bei Stefan Thiele. Das sollte provisorisch mit seinem vorhandenen 4,5-Zoll Newton verwendet werden.