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Backnanger Sterngucker

lokal und weltweit gewebt

2. ITT 1986 in Kärnten / Gerlitze
Ein Beitrag von Gerd Huissel

Auf dem Gelände
Der Beobachtungsplatz

Stifters Gipfelhaus
Das Stifters Gipfelhaus der Gerlitze mit Kuppel der ARGE Astrofotografie Kärnten

Armin Lindemanns 13,1-Zoll
Das dickste Fernrohr am Platz
der 13,1-Zoll Coulter von
Armin Lindemann aus Pforzheim

Erster Tag: Freitag,
5. September 1986

Auf dem fast 2000 m hohen Gipfel der Gerlitze befindet sich neben der Bergstation der Sesselbahn Stifters Gipfelhaus, in dem Reiner und ich ein Zimmer hatten. Etwa 100m südlich davon befindet sich die 6 Meter große Beobachtungskuppel der ARGE Astrofotografie Kärntens. Die Kuppel beherbergt einen 420/1600 mm Newton auf einer Gabelmontierung. Um die Kuppel herum waren etwa dreissig Amateurteleskope aufgestellt, darunter Reiners C8 und mein 75-mm Unitron.

Nach Einbruch der Dunkelheit waren die Planeten Jupiter Saturn und Mars zu sehen. In einem 13,1-Zoll Newton konnten wir das erste Mal mit Hilfe eines UHC-Filters den Cirrusnebel im Schwan beobachten. Danach wurde der Helixnebel mit einem C11 und UHC-Filter angeschaut, anschließend dasselbe Objekt im 42-cm-Newton in der Kuppel. M33 zeigte in einem 13,1-Zoll Newton Spiralarme und Knoten.

Ab 2:00 Uhr sind wir dann nur noch zu viert in der Kuppel, der Rest des Treffens hat sich sdchon aufs Ohr gelegt. Wolfgang Ransburg, ein Landsmann von ihm, Reiner und ich haben den 42-cm für uns alleine. Um den Flammennebel NGC 2024 zu sehen, muss man eine 3 Meter hohe Leiter rauf und sitzt wie Tom Mix auf dem Tubus , um zum senkrechtstehenden Okular zu kommen. Danach haben wir noch den Pferdekopfnebel versucht, der nur sehr schemenhaft sichtbar war, und uns am Orionnebel sattgesehen.

In Reiners C8 haben wir bei 30-fach die Galaxie NGC 253 eingestellt, die ich das erste Mal gesehen habe. Um 3:30 Uhr war im Osten deutlich der Lichtkegel des Zodiakallichts zu sehen. Besoffen von so vielen Eindrücken, gehen wir um 4:00 Uhr in die Koje.

Zweiter Tag: Samstag,
6. September 1986

Heute besuchen wir das Sonnenobservatoriums Kanzelhöhe, das sich etwa 500 Höhenmeter unterhalb der Gerlitze befindet. In der Kuppel befinden sich drei 110-mm Apochromaten mit 3m Brennweite, um die Sonne mit Kegelblenden, mit H-alpha Filtern und ein 30cm grosses Sonnenbild auf einen Projektionsschirm zu beobachten. Auf dem Rückweg lerne ich den Stefan Thiele kennen und freunde mich mit ihm an.

Am Abend wird wieder fleissig gespechtelt. Der Stefan zieht ein neues Okular aus der Tasche, ein 13mm Nagler brandneu aus den USA. Dieses Okular bietet den sogenannten "Spacewalk-Effekt" mit einem Gesichtsfeld von 82°. Heute sind solche Teile nichts Aussergewöhnliches, damals aber eine kleine Sensation! Dieses Okular steckte im Lauf der Nacht in jedem Teleskop auf dem Treffen, und so bekam ein jeder eine "neue Perspektive " mit seinem Instrument.

Neben uns stand Gerhard Szczuka aus Wertheim mit einem 10-Zoll Newton und zeigte mir den "Sichelnebel" NGC6888, anschließend "Stephans Quintett" im Pegasus. Wir beobachteten für uns weitere neue Objekte, wie NGC7662, einen planetarischen Nebel in der Andromeda, die edge-on-Galaxis NGC891 in der Andromeda, NGC7009, den Saturnnebel im Aquarius, u.s.w. Um 2:30 Uhr waren wir so platt, daß wir uns ablegten.

Wir haben am Sonntag kurz vor der Abfahrt bei Stefan Thiele noch einen UHC-Filter bestellt und mit den Wertheimern einen Besuch vereinbart, bevor wir uns endgültig verabschiedeten und uns auf die Heimreise machten.

© Backnanger Sterngucker 2002 - 2009