


Nachdem wir nun wissen, wie der Sternhimmel zu einem bestimmten Zeitpunkt aussieht, wenden wir uns den beweglichen Zielen am Firmament zu. Dazu benötigen wir zusätzlich ein einfaches astronomisches Jahrbuch, zum Beispiel das Himmelsjahr oder den Ahnert. Für eine sichere Identifizierung sind nämlich die in den Jahrbüchern aufgeführten Koordinatenangaben hilfreich.
Wir erweitern unser Beispiel und es ist demnach immer noch der 15. Mai 2003. Um 23:00 Uhr und fast genau im Westen, im unscheinbaren Sternbild des Krebses, haben wir einen hellen Stern entdeckt, der auf der drehbaren Sternkarte nicht verzeichnet ist. Wir vermuten, dass es sich um einen Planeten handelt, aber welcher ist es?
Nun kommt der bereits erwähnte Zeiger ins Spiel. Wir drehen die ganze Karte so, dass die Richtung, in die wir blicken, also Westen, unten steht. Das entspricht dann weitest gehend dem tatsächlichen Anblick des Himmels. Dann wird der Zeiger, ohne die transparente Deckscheibe zu verdrehen, so eingestellt, dass die in unserem Fall rote Skala durch den beobachteten Ort des hellen Sternes schneidet. Der beobachtete Sternort befindet sich auf dem gestrichelten Kreis der Ekliptik und bestärkt uns in der Vermutung, dass es sich tatsächlich um einen Planeten handelt.
Mit Hilfe des Zeigers ermitteln wir nun die Koordinaten des Objektes. Auf der äussersten Skala der drehbaren Sternkarte lesen wir an der roten Markierung die Rektaszension ab. Wir erhalten 8h 50m. Der Schnittpunkt der roten Skala des Zeigers mit der Ekliptik liegt auf etwa +18°, das ist die Deklination des vermuteten Planeten. Der Vergleich mit den Jahrbuchangaben für den Planeten Jupiter am 15. Mai 2003 ergibt eine Rektaszension von 8h 53m und eine Deklination von +18° 22'.
Natürlich können wir auch umgekehrt vorgehen. Für den 16. Mai 2003 um 3:30 Uhr morgens möchten wir feststellen, ob es sich lohnt, das Teleskop für Marsbeobachtungen aufzustellen. Dem Jahrbuch entnehmen wir die Koordinaten des Mars, die Rektaszension beträgt etwa 21h 08m, die Deklination -18° 35'. Der Zeiger wird auf dem äusseren Kreis der Sternkarte auf den Wert der Rektaszesion eingestellt. Mars befindet sich dann ungefähr auf dem Schnittpunkt der roten Skala des Zeigers mit der gestrichelten Linie der Ekliptik. Im Rahmen der geringen Präzision der Sternkarte können wir anhand seiner Deklination sogar feststellen, dass Mars nicht genau auf der Ekliptik, sondern etwas südlich davon steht, tief im Südosten und im Sternbild des Steinbocks. Wir entschliessen uns, dem Mars eine Stunde später bei etwas mehr Höhe über dem Horizont zu beobachten.
Auf die gleiche Weise lassen sich die ungefähren Orte der lichtschwachen Planeten Uranus, Neptun und Pluto feststellen. Zu deren Beobachtung benötigen wir jedoch zusätzlich genaue Sternkarten mit präzisen Koordinatennetzen und einer dem Planeten entsprechenden Grenzhelligkeit der Sterne. Mit etwas Übung und den Sternkarten der Uranometria sollten zumindest Uranus und Neptun sicher identifiziert werden können. Für Pluto mit seiner äusserst geringen Helligkeit werden dann ein grösseres Teleskop und eventuell mit einem passenden Sternkartenprogramm für den PC selbst erstellte Aufsuchekarten benötigt.