

Ohne die Vorrede noch weiter auszudehnen, steigen wir sofort in die erste Problemlösung ein. Angenommen, der Abend des 15. Mai ist klar, es ist 23:00 Uhr, die Sterne leuchten und ich staune auf der Terrasse das Durcheinander am Firmament an. Diese Situation kennt jeder Neuling. Wir suchen uns jetzt auf der Grundplatte der Sternkarte den Jahreskalender. Das ist beim beschriebenen Modell deren innere Skala. Die Deckscheibe drehen wir jetzt so lange, bis die 23 genau dem 15. Mai auf der Grundplatte gegenüber steht. Unter dem hellen Anteil der Deckscheibe erkennen wir, dass das Sternbild Bootes mit seinem hellen Hauptstern Arktur die Zenitgegend des Nachthimmels ausfüllt.
Ausgehend von diesem markanten Sternbild versuchen wir, weitere Sternbilder zu identifizieren. Wenn wir nach Süden blicken zum Beispiel knapp links von Bootes, also auf der Karte östlich, finden wir die nördliche Krone. Noch weiter östlich folgt das Sternbild Hercules. Direkt über uns, fast genau im Zenit, die Deichselsterne des grossen Wagens. Freie Sicht zum Südosthorizont vorausgesetzt sehen wir den vorderen Teil des Skorpions aufgehen, während der Löwe Kopf voraus im Westen Richtung Horizont springt.
Wenn wir aufmerksam sind, stellen wir eine kleine Diskrepanz zwischen der Karteneinstellung und des tatsächlichen Himmelsanblicks fest. Im Mai ist hierzulande die willkürlich festgelegte Sommerzeit gültig. Da das Weltall aber keine Sommerzeit kennt, ist es in unserem Beispiel streng genommen erst 22:00 Uhr. Der Fehler ist aber so geringfügig, dass er für die Orientierung am Himmel vernachlässigt werden kann. Erst, wenn wir Planeten identifizieren oder Auf- und Untergangszeiten von Himmelskörpern bestimmen wollen, müssen wir exakter arbeiten.