


In die hohle RA-Achse der HEQ5 ist ein Polsucherfernrohr, das uns die Einnordung der Montierung erleichtern soll, eingebaut. An sich ein nützliches Werkzeug, bevor wir aber damit den Himmelsnordpol mit möglichst hoher Genauigkeit einstellen können, muss der Polsucher parallel auf die RA-Achse der Montierung ausgerichtet werden. Leider schweigt sich die Bedienungsanleitung der Montierung über diesen Punkt aus. Die Justierung des Polsuchers können wir am Besten bei Tageslicht erledigen. Wir suchen uns hierzu ein weit entferntes Objekt in der Landschaft. Bei mir war das die Spitze des Giebels eines Luftlinie etwa 1,75km entfernten Hauses.
Zunächst schrauben wir den becherartigen Plastikdeckel vom Südende der RA-Achse ab. Dann stellen wir die Polhöhe der Montierung auf 0° ein, die RA-Achse liegt also waagerecht, siehe auch Abb. 1. Die am Nordende der Montierung liegende Schraube der Polhöhenverstellung muss vorher entfernt werden, da sie sonst das freie Schwenken der RA-Achse blockieren würde. Die andere Schraube drehen wir soweit wie möglich raus, ohne dass sie herunter fällt. Danach richten wir den Polsucher auf unser weit entferntes Objekt aus, so dass es etwa in der Gesichtsfeldmitte steht. Beim Blick durch den Polsucher erkennen wir nun eine Linie, die in der Gesichtsfeldmitte einem Fadenkreuz ähnelt. Diese Linie ist einseitig verlängert und trägt einen kleinen Kreis innerhalb einer kurzen Skala.
Wir lösen die Klemme der RA-Achse und stellen die Deklinationsachse waagerecht oder senkrecht. Das hilft uns, die später notwendige Drehung um 180° möglichst genau auszuführen. Das mittige Fadenkreuz, nicht den Kreis, richten wir jetzt entsprechend Abb. 2 auf unser Objekt ein. Dazu bedienen wir die Azimutverstellung und, falls notwendig, die verbliebene Schraube zur Höheneinstellung. Danach wiederum lösen wir die RA-Achse und schwenken sie um 180°, die Gegengewichtsstange an der Deklinationsachse zeigt nun nach links statt nach rechts, oder umgekehrt, je nach Ausgangsposition. Wir kontrollieren, ob das Fadenkreuz noch auf unser entferntes Objekt zeigt. In der Regel liegt es etwas daneben, das heißt, der Polsucher ist nicht genau parallel zur RA-Achse ausgerichtet.
Mit den drei Madenschrauben zur Justierung des Polsuchers, siehe Abb. 3, stellen wir das Fadenkreuz auf die Mitte der Strecke zwischen unserem weit entfernten Objekt und der festgestellten abweichenden Position des Fadenkreuzes. Wir benötigen dazu einen 1,5mm Inbusschlüssel. Danach stellen wir mit Hilfe der Azimut- und Höhenverstellung das Fadenkreuz wieder exakt auf unser Objekt. Wiederum schwenken wir die RA-Achse um 180° und schauen uns das Ergebnis an. Der Abstand zwischen Objekt und der Position des Fadenkreuzes sollte sich nun deutlich verringert haben.
Wir wiederholen alle Schritte des letzten Textabsatzes solange, bis wir keine Abweichung bei den Schwenks um 180° mehr erkennen können. Unser Polsucher ist jetzt genau parallel zur RA-Achse ausgerichtet und kann nun wesentlich bessere Ergebnisse bei der Einnordung unserer HEQ5 Montierung liefern, als nach der Entnahme aus der Transportverpackung.
Die einzige mir bekannte Seite im Web, die die beschriebene Prozedur so ausführlich erklärt, ist diejenige von Rick Saunders. Leider ist sie nur in englischer Sprache verfügbar. Rick sieht auf seiner Seite keine Möglichkeit vor, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Ich hoffe, ich trete ihm mit meiner Übersetzung und Erweiterung nicht auf die Füße.