Zur Startseite

Backnanger Sterngucker

lokal und weltweit gewebt

Venustransit 2004 im Bild
Ein Bericht von Michael Altvater
und Gerd Huissel (Zeichnungen)

Nachdem sich das Ereignis des Venustransits vom 8. Juni 2004 bereits etwas gesetzt hat und das Gesehene ausgiebig diskutiert wurde, stellen wir hier eine weitere Seite online. Die meisten von uns liessen es sich nicht entgehen, die Zeit zwischen den Kontakten der Venus mit der Sonnenscheibe ausgiebig visuell zu beobachten. Für uns normale Mitteleuropäer ist das Ereignis nunmal nicht wiederholbar, weshalb sollte man sich deshalb während der entscheidenden Momente mit fotografischer Technik herumschlagen?

Ich selbst habe das Ereignis an meinem gerade eben fertig gestellten kleinen 63/840 Refraktor beobachtet, während Gerd den AS130/1950 aufgebaut hatte. Das Wettrennen um die letzte Sichtung eines Stückchen Venus vor der Sonne zum Zeitpunkt des vierten Kontaktes hat natürlich Gerd für sich entscheiden können. Gerd hatte sich dann entschlossen, nachträglich das Gesehene in ein paar Zeichnungen zu dokumentieren, sie seien hiermit dem Betrachter vorgestellt.

Zeichnung (1): Kurz nach dem ersten Kontakt, als die Venus gerade ein Stück in die Sonnenscheibe vorgerückt war, haben alle Beobachter übereinstimmend berichtet, das Stückchen Venus nicht als idealen Kreisausschnitt gesehen zu haben. Der Bogen, den die Venus beschrieb, sah einem Ellipsenauschnitt ähnlich, mit dem flachen Teil der Ellipse Richtung Sonnenmitte und einer einseitigen kleinen Beule.

Zeichnung (2): Gespannt erwarteten wir nach dem ersten Kontakt das Auftreten des leuchtenden Atmosphärenringes, der erstmals, nachdem die Venus zu einem guten Drittel in die Sonne gewandert war, erschien. Zunächst wanderten von beiden Seiten des Sonnenrandes helle teile immer weiter in den entfernten Teil der Venuskugel und vergrößerten sich dabei, bis dann mit etwa 120° des Umfangs die maximale Ausdehnung erreicht war.

Zeichnung (3): Kurz vor dem zweiten Kontakt trat das Tropfenphänomen in einer seltsam anmutenden Ausprägung auf. Die Zeichnung verdeutlicht unsere Beobachtung in überhöhter Form. In diesem Zusammenhang fielen die Sätze, es sähe aus, wie ein Dichtungsring von der Seite betrachtet oder wie Klebstoffwülste.

Zeichnung (4): Zeitweise war kurz nach dem zweiten Kontakt im 130er Zeiss am Rand der Venusscheibe ringsum ein blauer Ring zu erkennen, dem die Allgemeinheit leider wenig Aufmerksamkeit schenkte. Lediglich am 130-er Zeiss wurde er von drei Beobachtern bestätigt.

Zeichnung (5): Beeindruckend war kurz vor dem dritten Kontakt eine Phänomen, das auf der Beobachtungswiese salopp als der abgebrochene Fingernagel bezeichnet wurde. Ein dunkler Bogen ging der eigentlichen Planetenscheibe in Richtung Sonnenrand voraus.

Zeichnung (6): Wesentlich weniger ausgeprägt, als zwischen dem ersten und zweiten Kontakt, war der leuchtende Atmosphärenring der Venus beim Verlassen der Sonnenscheibe. Seine Spannweite betrug nur noch etwa 90°, Beobachter mit größeren Öffnungen waren eindeutig im Vorteil. Im 5-Zöller war stets ein etwas größerer Bogen zu erkennen, als im 2,5-Zöller.

Ein Teil der beobachteten Erscheinungen wurden bereits von historischen Transitbeobachtern gesehen. Zum Beispiel wurden der deformierte Kreis und der blaue Rand der dunklen Venusscheibe in den Beobachtungen von A. H. Belfield und Vessey beim Transit im Jahre 1874 in Australien beschrieben. Siehe hierzu auch den Artikel in Interstellarum, Heft 34/2004, ab Seite 36.

© Backnanger Sterngucker 2002 - 2009