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Backnanger Sterngucker

lokal und weltweit gewebt

Die Marssaison 2005
von Michael Altvater

Im Gegensatz zu der Opposition von 2003, die durch die extreme Marsnähe zur Erde ein außerordentliches Presseecho hervorrief, kamen wir Amateurastronomen in 2005 besser auf unsere Kosten. Allgemein wurde festgestellt, dass durch den wesentlich höheren Stand des Mars am Himmel weitaus detailreichere Beobachtungen, sowohl visuell als auch fotografisch, durchgeführt werden konnten.

Inzwischen verfüge ich über ein Maksutov-Cassegrain Teleskop von Intes, Typ MK67, das ich mir vorwiegend für die Balkonastronomie angeschafft habe und mit dem alle Aufnahmen dieser Seite entstanden sind. Die 150 mm Öffnung und 1800 mm Brennweite sind äußerst kompakt untergebracht und sitzen ausreichend stabil auf einer H-EQ5 Montierung von Synta. Der Crayfordauszug des Teleskops bringt genügend Backfokus für alle Lebenslagen wie 2-Zoll Zenitspiegel oder Kamera mit.

Auch die Webcam Vesta pro wurde gegen die deutlich empfindlichere ToUCam Pro 740K ausgetauscht. Diese hatte sich bereits bei einigen Jupiteraufnahmen, die im Frühjahr 2005 gewonnen wurden, bewährt.


18. August 2005


4. September 2005


18. September 2005


9. Oktober 2005


29. Oktober 2005
1. Bearbeitung


29. Oktober 2005
2. Bearbeitung


6. November 2005


8. Januar 2006

Die erste Aufnahme der Saison entstand am 18. August. Diese kann ich getrost unter der Rubrik "ein Versuch wars wert" einordnen. Zumindest hat es mich überrascht, zu so einem frühen Zeitpunkt der Saison ein Ergebnis zu erhalten, auf dem zumindest etwas zu erkennen ist. Es entstand früh morgens um etwa 4:15 MESZ bei mäßigem Seeing. Mit der TS APO Barlow war ich wohl etwas zu vorsichtig und verwendete gerade mal ungefähr 4 m Brennweite. Das Video enthielt 1800 Aufnahmen, von denen ich etwa 100 von Giotto mitteln und kontrastverstärken ließ. Mit Gimp habe ich zum Schluss per Unscharfmaske etwas nachgeschärft.

Die Aufnahme vom 4. September entstand um etwa 4:30 MESZ. Mit einer TS APO Barlow erzielte ich etwa 5 m Brennweite. Das Seeing war zwar nicht überragend, aber immerhin recht ordentlich. Das Video enthielt 3000 Aufnahmen, von denen etwa 150 mit Giotto gemittelt und kontrastverstärkt wurden. Leider hatte ich vergessen, einen Weißabgleich vorzunehmen, so dass der Mars eindeutig zu rot wurde. Nachträgliche Korrekturversuche verliefen unbefriedigend. Den letzten Schliff verpasste Gimp der Aufnahme mit einer Unscharfmaske.

Immerhin als abschreckendes Beispiel kann die Aufnahme vom 18. September dienen. Das Seeing war grausam und Scharfstellen am Monitor Glücksache. Der Aufnahmezeitpunkt war etwa 4:25 MESZ. Wiederum verwendete ich die TS APO Barlow bei etwa 5 m Brennweite. Von den etwa 1800 Aufnahmen verwendete ich etwa 7% und die doppelte Auflösung von Giotto zum Mitteln. Ebenfalls mit Giotto habe ich den Blaukanal in seiner Lage etwas korrigiert und das Summenbild kontrastverstärkt. Geschärft wurde in Gimp mit einer Unscharfmaske. Die Bearbeitung in doppelter Auflösung ergab natürlich ein in der Größe aufgeblähtes Bild, das ich zum Schluss wieder auf seine Normalgröße skaliert habe.

Erstmals am 9. Oktober kam meine Neuerwerbung zum Einsatz. Die Brennweite meines Maks verlängerte ich nun mit der VIP Modular Barlow von Baader, an die ich zusätzliche Tuben anschraubte und damit eine effektive Brennweite von etwa 6 m erzielte. Das Seeing war passabel und die beste der erhaltenen Sequenzen, die um etwa 1:02 MESZ, entstand, wurde bearbeitet. Von den 3000 enthaltenen Bildern wurden 7% mit Giotto gemittelt und im Kontrast verstärkt. Mit meiner bevorzugten Bildbearbeitung Gimp habe ich das Giotto-Ergebnis mit einer Unscharfmaske geschärft. Wiederum habe ich den Weißabgleich nicht berücksichtigt und nachträglich versucht, das rote Bild etwas abzumildern.

Am 29. Oktober konnte ich wegen aufkommendem Nebel nur zwei Videosequenzen von der sogenannten langweiligen Seite des Marses aufnehmen. Zur Verlängerung der Brennweite wurde wiederum die Baader VIP Modular Barlow mit zusätzlichen Tuben verwendet, so dass ich effektiv etwa 6 m Brennweite erhielt. Das Seeing war passabel und die bessere der beiden Sequenzen, entstanden um etwa 1:13 MESZ, wurde bearbeitet. Von den 2000 enthaltenen Bildern wurden 140 mit Giotto gemittelt. In der ersten Bearbeitung wurde das Summenbild lediglich in Gimp mit einer Unscharfmaske behandelt. Das kommt meines Erachtens dem visuellen Eindruck am Fernrohr relativ nahe. Als etwas experimentell betrachte ich die zweite Bearbeitung des gleichen Summenbildes, bei der ich in Gimp zusätzlich an den Reglern für Helligkeit und Kontrast gespielt habe.

Das vorletzte Bild mit eigenem Teleskop entstand einen Tag vor der Opposition am 6. November. Mit recht ordentlichem Seeing ist es mir gelungen, die Wolkenkappe von Olympus Mons abzulichten. Verglichen mit dem Bild unten, das ich ein paar Tage später an der Sternwarte in Welzheim gewonnen habe und den Mars von der Ansicht her fast identisch zeigt, treten viele Details zu Tage. Ich denke, dass ich hier fast an die Grenze der Auflösung meines 6-Zöllers geraten bin. Für das Endergebniss habe ich 140 von 2000 Bilder des avi-Files gemittelt. In Giotto dann den Blaukanal etwas korrigiert und das Summenbild im Kontrast verstärkt. Zum Abschluss habe ich mit Gimp zur Schärfung noch eine milde Unscharfmaske appliziert.

Nach einer längeren Schlechtwetterperiode gelang mir das letzte Bild meiner persönlichen Marssaison am 8. Januar 2006 bei etwas weniger als 12" Durchmesser und recht bescheidenem Seeing, aber es musste sein. Wiederum mit der VIP-Modular habe ich die Brennweite auf etwa 6m gebracht. Von den ca. 2300 Bildern des avi-Files habe ich etwa 5% gemittelt und in Giotto jeweils den Blau- und Rotkanal in seiner Lage korrigiert. Mit der inzwischen fast standardisierten Methode wurde der Kontrast verstärkt und ebenfalls in Giotto die Schärfung vorgenommen.

Meine ziemlich flache Lernkurve über etwa zweieinhalb Jahre, bedingt natürlich auch durch mangelnde Gelegenheit zur Beobachtung, hat gegen ihr Ende eine deutliche Steigerung erfahren. Relativ lange hat es gedauert, bis sich bei mir die Erkenntnis durchgesetzt hatte, bei mangelhaftem Seeing einfach abzubrechen. Je besser das Seeing ist, umso leichter fällt einem auch das Scharfstellen am Monitor. Das mag eine Binsenweisheit sein, dennoch wird bei Bildkritiken in den einschlägigen Foren meines Erachtens zuwenig darauf hingewiesen. Gerade dem Einsteiger, als den ich mich immer noch bezeichne, verhelfen solche Basisinformationen zum besseren Bild und zu weniger Enttäuschungen.

Leider ist es mir bislang nicht gelungen, hinsichtlich der Farbgebung konstante Ergebnisse zu erzielen. Einerseits ist meine Aufnahmetechnik noch nicht so ausgefeilt, dass ich bereits hier eine reproduzierbare Farbgebung erhalte, diese ist eher zufällig. Andererseits fehlen mir immer noch die notwendigen Kenntnisse in der Bildbearbeitung, um die Farbe nachträglich entsprechend zu korrigieren.

Trotz all der beschriebenen Umstände denke ich, dass meine Ergebnisse auch andere Amateure zu Versuchen zur Planetenfotografie mit der Webcam anspornen können. Um ein für sich selbst befriedigendes Bild zu erhalten braucht man keine Riesentelekope, sondern ein wenig Geduld und gutes Seeing. Dann erreicht man mit der Webcam auch irgendwann mal das theoretische Auflösungsvermögen seines Teleskopes.

Marsopposition in Welzheim
11. November 2005

Außer Konkurrenz möchte ich noch ein Bild zeigen, das am 12. November etwa um 1:20 MESZ mit dem 10-Zoll Astrophysics Refraktor der Sternwarte in Welzheim entstanden ist. Danke an Rudi Idler für die Gelegenheit. Mit der VIP Modular habe ich die Brennweite auf etwa 10 m verlängert, was beim damaligen Seeing vielleicht etwas zuviel des Guten war. Spasseshalber habe ich auch behauptet, dass mit meinem gewohnten und gepolsterten Balkonstuhl unter dem Hintern sicher ein besseres Ergebnis beim Scharfstellen heraus gekommen wäre. Aber dass eine ungewohnte Umgebung die Arbeit beeinflusst will ich nicht ganz ausschließen.

Ausgangsmaterial war ein avi mit 1300 Frames, wovon ich 7% in Giotto gemittelt habe. Kontrastverstärkung, Farbkorrektur und Schärfung wurden ebenfalls mit Giotto durchgeführt. In Anbetracht der Unschärfen, die das Rohbild enthielt, fand ich es angemessen, das Bild nach der Bearbeitung auf etwa 70% seiner ursprünglichen Größe zu verkleinern.

© Backnanger Sterngucker 2002 - 2009