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Sonnenfilter mit Baader Filterfolie

Okularsonnenfilter sind gefährlich! Diese in die Okularsteckhülse einzuschraubenden Billigteile, die meist Discounterfernrohren als Zubehör beiliegen, halten die nahe des Brennpunkts auftretenden Temperaturen nicht aus. Mit meinem ersten Fernrohr, einem 112/900 Kaufhausnewton, hatte ich als Schüler selbst unerhörtes Glück. Nach einem deutlich hörbaren Knack verbreiterte sich der Riss im Filter so langsam, dass mir Gelegenheit blieb, mein Auge aus der Gefahrenzone zu entfernen. Weitere abschreckende Beispiele und eine ausführliche Begründung, weshalb die Okularfilter am Besten gleich nach dem Auspacken in die Tonne wandern sollten, findet ihr auf den Seiten von Sven Wienstein.

Nach mehr oder weniger sicheren Sonnenbeobachtungen mit Filterfolie, eingebettet in zwei Pappestücke und vor der Objektivöffnung mit Klebeband befestigt, hatte ich eines schönen Nachmittags die zündende Idee für meinen Lidl-Refraktor. Ja, auch ich habe mich vom Hype für dieses Fernrohr anstecken lassen. Nach der Sichtung meines vorrätigen Materials bin ich ans Werk gegangen, gerade noch rechtzeitig zum Merkurdurchgang 2003. Damals kam der Filter zum ersten Mal zum Einsatz.

Kernstück meiner Lösung ist eine etwa 5 cm dicke Schaumstoffplatte, die ich eigentlich für die Auskleidung eines Transportbehälters verwenden wollte. Zunächst habe ich ein etwa 11 cm x 11 cm grosses, quadratisches Stück mit einem scharfen Haushaltsmesser zurechtgeschnitten. In dieses habe ich zentrisch ein rundes Loch, leicht konisch und an einem Ende etwa 2 cm kleiner im Durchmesser als die Taukappe des Lidl, geschnitten. Das Schaumstoffquadrat findet in einem quadratischen Rahmen aus 4 cm breiten Sperrholzleisten mit den Innenmassen 10,5 cm x 10,5 cm Platz.

An einer Seite des Quadrats kommt ein Sperrholzboden mit einer geringfügig grösseren Öffnung als der Taukappendurchmesser drauf. Dieses Ende wird beim Einsatz über die Taukappe geschoben. Für den Fall, dass der Schaumstoff im Laufe der Zeit altern sollte und seine elastischen Eigenschaften verliert, ist der Boden lediglich geschraubt und nicht geklebt. Damit bleibt das Innere des Filters bequem zugänglich und der Schaumstoff kann bei Bedarf ausgewechselt werden.

Auf die der Sonne zugewandte Seite wird ein Deckel mit einer etwas kleineren Öffnung, als die Taukappe, verschraubt und aufgeklebt. Diese Seite muss nachträglich nicht mehr geöffnet werden und sorgt dafür, dass der Filter nicht weiter, als bis zu diesem Deckel, auf die Taukappe aufgeschoben werden kann. Die zurechtgeschnittenen Filterfolie wird über die Öffnung gelegt und allseitig mit Isolierband fixiert. Damit ist sicher gestellt, dass sich die Folie bei Beschädigung leicht entfernen lässt.

Zum Schluss wird ein letzter Deckel mit einer wieder etwas grösseren kreisrunden Öffnung auf den Filterdeckel aufgeschraubt, nicht geklebt, da dieser Deckel zum eventuellen Folientausch wieder abgenommen werden muss. Damit ist das Ganze gesichert und der Druck, der durch die Verschraubung ausgeübt wird, hält das Isolierband an seinem Platz.

Aufgesetzt auf die Taukappe des Lidl-Fernrohrs sitzt das Filter satt durch die Spannung des Schaumstoffs. Selbst bei Richtung Erdmittelpunkt gerichtetem Fernrohr fällt es nicht runter. Meine Maße habe ich experimentell ermittelt und können natürlich an andere Verhältnisse angepasst werden. Aus Gründen der Sicherheit und des Gewichts gelangt diese Bauart allerdings irgendwann an ihre Grenzen.

Nachtrag: Sonnenfilter
für den 63/840 Refraktor

In der gleiche Bauweise, wie oben beschrieben, habe ich mir für meinen kleinen Zeiss-Eigenbau ebenfalls ein Filter gebaut. Statt des Holzrahmens verwendete ich allerdings einen Abschnitt eines Aluminiumrohres mit 100 mm Aussendurchmesser. Per Laubsägearbeit habe ich aus 6 mm starkem Sperrholz passende Ringe gesägt und eingeschwärzt. Mit den ebenfalls eingeschwärzten Kanten des Alurohres und der weissen Aussenbeschichtung sieht das Filter natürlich wesentlich gefälliger aus, als die Holzvariante für das Lidl-Fernrohr. Einem kleinen Zeissobjektiv angemessen, wenn ich das mal so ausdrücken darf.

Auch dieses Filter bestand bei einem astronomischen Großeinsatz, dem Venustransit am 8. Juni 2004, seine Bewährungsprobe.

Da alles was rund ist beim selektiven Blick eines Fernrohrselbstbauers auf seine Eignung für persönliche Projekte untersucht wird, ist mir die Idee gekommen, einen leeren Behälter für CD-Rohlinge als Aufbewahrungsbox für den runden Filter zu verwenden. Die zentrale Spindel, auf der normalerweise die CD-Rohlinge sitzen, habe ich abgesägt und das Loch im Boden mit einer kleinen Sperrholzplatte verschlossen. In den Deckel und den Boden der Box habe ich je eine Lage Schaumstoff geklebt. Damit ist das Plastikbajonett beim Schließen ein wenig unter Spannung und hält somit sicher.

Zum Schluss noch ein
kleiner Warnhinweis

Sonnenbeobachtung erfordert besondere Vorsicht. Der Nachbau dieser Lösungen erfolgt auf eigene Gefahr. Vor jedem Einsatz den Filter auf Beschädigungen überprüfen.

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