



Ein Okularauszug nach Crayford kann ein hochpräzises Teil, herstellbar nur mit Präzisionsmaschinen sein. Aber ebenso kann das Funktionsprinzip ohne Verlust mit relativ bescheidenen Mitteln verwirklicht werden. Die erste mir bekannte Beschreibung dieses Okularauszugs erschien in der amerikanischen Zeitschrift Sky & Telescope, September 1974, Seite 182. In der Maiausgabe 1986, Seite 511 derselben Zeitschrift, erschien dann die Beschreibung, die ich zur Grundlage meines Auszugs herangezogen habe. Veröffentlichungen vor 1974 aus der britischen Szene habe ich nicht gelesen.
Mein Auszug benötigt lediglich ein einziges Drehteil, das Auszugsrohr mit einem Innendurchmesser von 1,25 Zoll. Das wurde mir freundlicherweise von Reiner ten Hoevel in seiner entsprechend ausgerüsteten Werkstatt angefertigt. Den Rest der Metallbearbeitung konnte ich mit Bohrmaschine auf einem Ständer, handbetriebenen Gewindeschneidern, Metallsäge und Feilen selbst erledigen. Das Material bestand zum größten Teil aus Aluminiumabfällen.
Wie auf den Bildern zu erkennen ist, verwendete ich keine Kugellager, wie in der Originalversion, sondern Teflonstreifen, auf denen das Auszugsrohr beim Einstellen gleitet. Teflon hat die Eigenschaft, dass die Haftreibung nicht wesentlich höher ist, als die Gleitreibung. Die Scharfstellung vollzieht sich so mit relativ wenigen bilderschütternden Ruckeleien.
Die 4 mm starke Fokussierwelle aus Silberstahl auf der gegenüber liegenden Seite wird mit zwei Spiralfedern an das Auszugsrohr und dieses wiederum an die Teflonstreifen gedrückt, somit ist eine kraftschlüssige Verbindung hergestellt. Auf die Welle habe ich ein Stück Schrumpfschlauch aus dem Elektronikbedarf aufgeschrumpft, das erhöht an dieser Stelle die Reibung und somit die Einstellsicherheit. Leider verschleisst der Schrumpfschlauf bei dieser Verwendung und muss etwa einmal im Jahr erneuert werden. Gelagert wird die Welle in zwei Gleitlagern aus Sinterbronze.
Natürlich ist dieser Auszug nicht für schwere Okulare der Naglerklasse geeignet. Damals aber, als ich ihn gebaut hatte, konnte ich mir die kommerziellen Modelle einfach nicht leisten, geschweige denn Oberklassenokulare. Für den selbstgeschliffenen 6-Zöller musste aber etwas her, was außer Arbeitszeit kaum etwas kostete. Dennoch war ich lange Zeit mit meiner Lösung zufrieden. Manchmal kann man mit dem Selbstbau tatsächlich Geld sparen.
Toshimi Taki's Poor Man's Crayford Focuser, ein reich bebilderter englischsprachiger Artikel, der den Nachbau recht einfach macht. Damit sind die Originalbeiträge in alten Zeitschriften nicht mehr nötig. Zum Stöbern auf Toshimi Takis Seite sollte ihr sein Frameset komplett laden.