



Es ist schon viele Jahre her, da konnte ich preisgünstig ein C63/840 Objektiv von Carl Zeiss Jena erwerben. Wie die Zahlen vermuten lassen, der Objektivdurchmesser ist 63 mm und die Brennweite 840 mm. Das Öffnungsverhältnis von F13,3 versprach bei diesem kleinen Fraunhofer einen äußerst geringen Restfarbfehler, was sich dann bei den ersten Beobachtungen bestätigte.
Einen 1,25-Zoll Okularauszug habe ich mir beim Teleskopservice Ransburg beschafft. Es handelt sich um den einfachen Refraktorauszug von Antares. Mein Sortiment an 1,25-Zoll Okularen sollte gut mit dem Objektiv harmonieren. Den schwächsten Teil, ein Alueinsatz mit einer winzigen Feststellschraube für die Okulare, habe ich ausgetauscht. Am Ende des Auszugsrohres ist glücklicherweise ein Vixen 36,4 mm Gewinde, in das ein Adapterring mit T2 Gewinde passt. Auf dieses habe ich einen 1,25-Zoll Steckeinsatz mit Federklemmring von Intes aufgeschraubt. Ein Alurohr mit 80 mm Außendurchmesser und 3 mm Wandstärke für den Tubus hat mir der Freund eines Arbeitskollegen für eine Flasche Wein besorgt.
Ich habe viele Überlegungen angestellt, wie ich den Auszug und das Objektiv justierbar in ein Rohr einbaue, aber letztendlich alle verworfen. Ich liess mich von dem Grundsatz leiten, wenn ich die notwendigen Flansche für Auszug und Objektiv lang genug mache, werden diese sich selbst zentrieren. Es scheint funktioniert zu haben, eine Kontrolle am Stern mit dem fertigen Fernrohr ergab intra- und extrafokal saubere Beugungsbilder und nadelfeine Sternabbildungen im Fokus.
Im zweiten Bild dieser Seite ist das Objektiv gezeigt, wie es in seinem Flansch eingebaut ist. Aus 80 mm Alu Rundmaterial haben wir auf Reiners Heimdrehbank das Teil hergestellt. Etwa 28 mm, abgedreht auf 74 mm, ragen in das Tubusrohr hinein, lange genug für die Selbstzentrierung. Der schwarze Ring ist das kurze Stück, das seinen Durchmesser von 80 mm behielt und als Anschlag für den Tubus dient. Der Ring ist der einzige Teil, der von außen sichtbar ist. Das Objektiv mit seiner Fassung ist in eine entsprechend ausgedrehte Aufnahme mit Silikonkautschuk eingeklebt. Die gesamte Einheit wurde mit drei in 120°-Winkeln angeordneten M3 Schrauben in den Tubus eingeschraubt.
Der Okularauszug erhielt einen ähnlichen Flansch, nur wurde er nicht eingeklebt, sondern mit drei um jeweils 120° versetzten M3 Schrauben im Tubus befestigt. Auch hier wurden alle von außen sichtbaren Metallteile des Flansches eingeschwärzt.
Nachdem der Tubus innen mit mattschwarzer Sprühfarbe versehen war, habe ich mir aus 4 mm starkem Sperrholz mit einer Laubsäge drei Streulichtblenden angefertigt und ebenfalls schwarz eingefärbt. Der Durchmesser der Blenden ist so bemessen, dass sie stramm im Tubus klemmen und alleine dadurch fest sitzen. Mit einen Papprohr, das mit seinem Außenurchmesser fast an den Innendurchmesser des Tubus heran kam, habe ich die Blenden auf ihre Position getrieben. An keiner Einblickposition des Okularauszuges ist von der Tubuswand direkt etwas zu sehen.
Als Taukappe dient ein Stück vom gleichen Rohr, wie der Tubus. An der dem Himmel zugewandten Seite wurde Sie mit mattem Lack geschwärzt. Innen ist schwarze Velourfolie aufgebracht. Diese verhindert Streulicht zuverlässig und kann sogar in feuchten Nächten etwas Flüssigkeit aufsaugen und von der Linse fern halten.
Zu guter Letzt habe ich dem Tubus und der Taukappe eine weisse Verkleidung aus handelsüblicher selbstklebender Folie verpasst. Der schwarz-Weisse Kontrast sieht für meinen Geschmack recht edel aus, zumindest ist es eine klassische Farbgebung für einen kleinen astronomischen Refraktor.
Erste Testbeobachtung vom 24. Mai 2004, zunächst noch ohne die Streulichtblenden, an Venus und Mond zeigten die wirklich beeindruckende Schärfe der Optik. Das richtige first light gab es dann am 6. Juni 2004 bei einem kleinen Treffen in Gerds Garten. Diese kleine Optik ist in der Lage, M13 bereits am Rande und bei indirekten Sehen grieselig zu zeigen. Eigentlich konnte ich das zunächst nicht glauben, aber ich war zum Glück nicht der Einzige, der es gesehen hat.
Zugegeben, ein Billigfernrohr ist das nicht geworden, insbesondere da ich ihm noch einen Zenitspiegel guter Qualität von Intes spendiert habe. Ein ausgesprochenes Leichtgewicht ist es ebenso wenig. Aber beim Vergleich mit marktüblichen Einsteigerrefraktoren der 70-mm-Klasse schlägt es diese um Längen. Und außerdem ist auf meinem Balkon nicht so viel Platz, als dass ich dort einen dicken Dobson aufstellen könnte.