






Schon viele Jahre lang träumte es mir von einem Teleskop, das folgende Forderungen erfüllt:
Mit Sicherheit gibt es Selbstbaugeräte, welche die Forderungen nach geringem Packmaß und geringem Gewicht besser als meine Konstruktion erfüllen. Deshalb wählt jeder Selbstbauer eine Variante, die seine persönlichen Ansprüche optimal erfüllt.
Gewählt wurde ein Spiegel von Synta mit 8 Zoll Öffnung und 1m Brennweite inklusive einer Spiegelzelle. Das Gewicht dieser Optik mit Spiegelzelle beträgt bereits 3kg. Eine 10 Zoll Optik wiegt ca. 5 kg, weshalb diese Größe für mein Projekt nicht in Frage kam. Ein beim ATT in Essen erworbener Fangspiegel von Lichtenknecker, sowie ein genialer 1,25 Zoll Okularauszug von Astro Techniek (NL), sowie noch ein Quickfinder von Rigel ergänzt die Auflistung der gekauften Bauteile. Ein 2 Zoll Auszug wurde wegen des Gewichts von 2 Zoll Okularen nicht in Erwägung gezogen. Der Rest des Telesköpchens wurde aus 9mm dicken Multiplex Birke (ca 1,5m²), wenige Teile, wie die Ringe der Höhenlager und die dazugehörigen Auflageleiste, aus 18mm dicken Multiplex Birke gefertigt.
Die Befestigung für den Fangspiegel ist ein im 45°Winkel abgesägtes schwarzes Kunststoffrohr. Es wurde von einem befreundeten Sterngucker auf der Drehbank angefertigt. Befestigt und im Hut in Position gehalten wird dies von einem „Curved Spider“ aus 1,5mm Alublech, mit 100 mm Biegeradius. Ein Versuch mit 1mm starkem Alublech erbrachte nicht die gewünschte Steifigkeit des Spiders. Das Offset für den Fangspiegel beträgt 2mm, dieses Maß wurde durch 2mm dicke Unterlagscheiben erreicht.
Nach der Anfertigung passte alles fast auf den 1/10mm ineinander. Es ist hilfreich, alles vorher gut zu planen und alle Schnitte mit denselben Maßen und mit einer Einstellung der Anschläge zu sägen. Die Höhenräder sind fest an der Spiegelbox angeschraubt. Durch um 90° verdrehtes Stellen der Spiegelbox in den Rocker zum Transport sind an jeder Ecke noch genau 20x20mm Platz, um die 16 Teile der Streben unterzubringen. Der Rocker dient als Unterteil des Transportkoffers. Der Hut wird genau zwischen die Höhenlager passend auf die Spiegelbox gestellt, wodurch sich ein Packmaß (Innen) von 380mm Höhe ergibt.
Das Oberteil der Transportbox dient als Hocker, um den Okularauszug auf eine angenehme Einblickhöhe zu bringen. Am Oberteil sind die Drehachse und die Teflonklötzchen des Azimut-Lagers angebracht. Zusammengefügt ergibt die Transportbox ein Außenmaß von 313x313x400mm (LxBxH).
Auf dem Schutzdeckel des Hauptspiegels findet der Rigel Quickfinder, ein Justierlaser, eine Rotlichtlampe, ein “Karkoschka“ und 5 Stück Okulare mit 1,25 Zoll Steckdurchmesser Platz. Ein Stück schwarzes Tuch mit Klettverschlüssen, der Strumpf für den Gitterrohr-Tubus, verhindert das Schlackern der Okular-Drehpacks in der Spiegelbox beim Transport. Beim „Schütteln“ des Transportkoffers mit Inhalt ist kein Klappern zu hören! Bingo! Und nun alles zusammen auf die Waage — 11kg! Ohne Okulare wird das Wunschgewicht von maximal 10 kg erreicht.
Die Einblickhöhe des Okularauszugs im Zenit ist 1,36m, am Horizont 0,93 m, also Sitzhöhe. Damit unterscheidet sich dieser Reisedobson, Eigenname „Reisedobser“ wesentlich von anderen kompakten Leichtbauteleskopen. First Light zeigte eine Optik im guten Zustand, die Sterne werden klein und brilliant abgebildet. Ein Test unter Maximalvergrösserung bei etwa 200-fach am Planeten steht noch aus.
Das Maximale Gesichtsfeld beträgt ca 1,6 Grad bei Verwendung eines 32mm Erfle Okulars mit 1,25 Zoll Steckdurchmesser. Der Reisedobser bleibt schön ohne Okular stehen, selbst ein 400g schweres 8,8mm UWA Okular von Meade zwingt ihn noch nicht zum Kopfstand. Das Einhalten von David Krieges Empfehlung 15 Pounds per Square Inch Flächendruck für Teflonlager und die Verwendung von EbonyStar auf den Höhenlagern sowie am Azimutlager zahlt sich aus.
Verhaltene Diät und kein Streben nach Rekordleichtgewicht haben ein gut funktionierendes und in meinen Augen Schönes Dobserle ergeben. Der Aufbau ist in unter fünf Minuten geschehen, die Justage mit Hilfe des Justierlasers in 2 Minuten erledigt. Danach kann man sich nur Clear Skies & Seeing 1.0 wünschen.
Verwendung meiner Anregungen und Nachbau jederzeit gerne - Anfragen zu Details an
Ein Nachbau exisitert inzwischen in Kanada, siehe den Artikel im Newsletter
Pulsar für den Winter 2007 des Kitchener-Waterloo Centre der Royal Astronomical Society of Canada