

Ein guter Freund berichtete mir beim ITT 1993 über den baldigen Ausverkauf von AS-Optiken bei Carl-Zeiss Jena. Nachdem das APQ auf dem Markt erschien, endete die Produktion größerer AS-Objektive. Durch Ihn bekam ich die Gelegenheit eines der allerletzten AS-Objektive, ein 130/1950 zu einem wirklichen Freundschaftspreis zu erwerben.Als ich mir mein Objektiv aussuchen durfte, lagen zwei AS130/1950 und drei AS150/2250, alle nagelneu, auf dem Tisch. Die Vernunft und auch mein Portmonnaie rieten mir, mich für das kleinere AS130 zu entscheiden. Mit viel Glück konnte ich von einem Backnanger Sternfreund eine gebrauchte Vixen Saturnmontierung, die den Unterbau für den Refraktor bildet, für mein Projekt günstig erwerben. So entstand im Verlauf der nächsten 2 Jahre die XXL-Version meines alten Unitrons.
Bei der Firma Krüger+Sohn in Landshut wurden sogleich zwei Hartpapiertuben für den Tubus und die Taukappe bestellt. Um mit nur drei Blenden auszukommen, entschied ich mich für einen Innendurchmesser von 160 mm, die Wandstärke sollte 3 mm betragen. Von meinem ursprünglichen Plan, einen Holztubus aus Buche zu bauen, habe ich mich wegen des fehlenden Zugriffs auf grosse Drechselbänke verabschiedet. Eine große Herausforderung auf der Drehbank war die Herstellung eines Objektiv-Adapterrings aus Aluminium mit dem Innengewinde M148 X 1 mm. Die Blenden wurden unter Lebensgefahr aus 1 mm Alublech auf der Drehbank gefertigt. Ein Apdapterring und ein 2-Zoll Vixen Refraktorauszug schliessen den Tubus heckseitig ab.
Ein bereits vorhandenes Stativ ging bei der ersten Montage von Montierung und Tubus regelrecht in die Knie. Da half nur ein Motto: Keine Kompromisse, das Stabilste ist gerade gut genug! Kurzerhand wurde eine komplette Platte von 25 mm starker Mulitplex-Rotbuche gekauft. Der Preis lag damals bei 450 DM. Aus diesem Material wurden Stativfüsse mit U-Profil und massiven Buche-Endstücken gebaut. Als Stativkopf dient ein Aluring von 200 mm Durchmesser mit drei angeschweissten 100 mm grossen Aluminiumwürfeln. Setzt man die Saturnmontierung auf, wird man von der Deklinationsachse überragt, genau richtig für einen fast 2 m langen Apparat. Die Saturnmontierung ist mit dieser Baulänge und 12 kg Gewicht ziemlich gut ausgelastet, der lange Hebelarm des Tubus lässt grüssen.
Das komplette Instrument hat nun ein Gesamtgewicht von etwa 90 kg, damit ist für meine Verhältnisse die Grenze für ein noch transportables Gerät erreicht. Einen längeren und auch schwereren AS150/2250 hätte die Saturnmontierung nicht mehr gepackt.
Für mich ist es ein grosses Vergnügen, mit einer solchen Optik und dem langen klassischen Öffnungsverhältnis von 1:15 die Sonne, den Mond und die Planeten zu beobachten. Beim ITT 1999 mit seinem grandiosen Seeing konnte ich mit über 300-facher Vergrösserung immer noch Saturnbilder mit hartem Kontrast sehen. Ein Vergleich mit dem danebenstehenden APQ 130 zeigt nur bei höchster Vergrößerung Nachteile bei Kontrast und Definition.
Inzwischen ist auch das Zubehör für den Apparat gewachsen. Ein Baader 60°-Bino und ein 2-Zoll Herschelkeil von Intes für die Sonne erweitern die Beobachtungsmöglichkeiten. So ausgerüstet konnte mich bei der Marsopposition 2003 lediglich das Seeing ausbremsen. In Momenten mit guter Luftruhe waren bei Binokularer Beobachtung mit etwa 300-facher Vergrößerung feine Dunkelstrukturen um Solis Lacus möglich. Beim Einsatz von Bino und Herschelkeil wird ein 1,7-fach Glaswegkorrektor benötigt, um den Fokus zu erreichen. Die beiden Zubehörteile benötigen gemeinsam fast 30 cm Lichtweg. Der AS zeigt feine Details in Umbren und Penumbren bei der Sonnenbeobachtung im Weisslicht. Seit dem Bericht "selbstgebauter Protuberanzenansatz mit exzentrischer Kegelblende" in Interstellarum, Heft 31, tickt in meinem Kopf wieder eine neue Option für meinen AS.