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Backnanger Sterngucker

Selbstbauprojekte

Okularauszüge
für die Ewigkeit

Irgendwann kommt der Tag im Leben eines Sternfreundes, an dem ein Naglerokular oder ein UWA von Meade auf der ersten Stelle der Wunschliste steht. Meistens passiert dies nach einem Teleskoptreffen, bei dem die Gelegenheit bestand, ein solches Wunderteil mal in sein eigenes Teleskop zu stecken. Nach dem Kauf stellt sich dann mit Grauen heraus, dass die Mickerteile von Klemmschrauben (ca. M3) am Okularauszug mit den Schwergewichten völlig überfordert sind. Wird nicht unmittelbar danach eine Folgeinvestition in Form von Stutzen mit Messingklemmringen getätigt, besteht die Gefahr, dass das teure Stück mal unsanft den Erdboden küsst. Zweimal passierte es mir bei Teleskoptreffen in den 90er Jahren auf dem Dobratsch, dass meine UWA-Okulare Isaac Newtons einstiger Entdeckung folgten. Zum Glück blieb jedesmal die Optik des Fallobstes unbeschädigt. Hässliche Macken am Gehäuse erinnern mich aber immer noch an diese Vorfälle. Die Krönung der Folgen war dann noch die Anschaffung eines Deluxe Klemmrings von Baader für sagenhafte 64 Euronen.

Leider fielen irgendwann meine 2-Zoll Vixen Okularauszüge durch Radial- und auch Axialspiel unangenehm auf. Das Einstellen des Spiels der Auzüge nach Gebrauch eines 2-Zoll Zenitprisma und eines Schwergewichts oder auch Binokularansatzes, in den ich auch mal gerne zwei Stück Meade 8,8 mm UWA-Okulare stecke, war in regelmässigen Abständen erforderlich. Nach mehrmaligen Einstellarbeiten besteht die Gefahr, eines der spitzigen Wurmschräubchen ganz durch den Plastikstreifen, der als Gleitschiene im Innern des Auzugs dient, zu treiben. Das erste Zusammentreffen mit einem 4-Zoll Auszug von Williams-Optik schien mir eine Lösung zu sein, bis ich das Preisschild sah.

Als Konsequenz wurde der Selbstbau von zwei Auszügen nach Crayford mit 90 mm freier Öffnung für meine beiden Refraktoren 150/750 und 130/1950 in Angriff genommen. Die 90 mm Öffnung ergaben sich durch die Verwendungvon von 100 mm Alu Rundmaterial für die Auszugsrohre. Je ein Ring mit den Abmassen der Tubendurchmesser von 160 und 180 mm hält die Lager-und Triebböcke. Schubladenlager von Lista Werkzeugschränken fanden nach längerer Suche mein Gefallen. Die Lagerböcke wurden zunächst verschraubt und anschließend mit den Ringen verschweisst. Dank Zugang zu einer kleinen Präzisionsfräsmaschine bei meinem Sternfreund Reiner konnte ich die Antriebsböcke für die Friktionswellen bearbeiten. Die Friktionswellen wurden aus 10 mm dicken Edelstahl gefertigt. Auf die Auszugsrohre wurde ein 15 mm breiter, ebener Streifen in Längsrichtung gefräst. Auf diese Flächen wird die Friktionswelle über Einstellschraube und Federkraft gedrückt.

Als Drehknöpfe verwende ich Aluscheiben mit 60 mm Durchmesser. Diese wurden mit je zwei Nuten am Umfang versehen, um dort O-Ringe aus Gummi einzulegen. Mit den Friktionswellen verschraubt kann mit diesen Scheiben sehr feinfühlig fokussiert werden.

Leichtgewichte sind die beiden Auszüge nicht gerade, bringen sie doch jeder für sich etwa 3 kg auf die Waage. Damit sind die beiden Fernrohre jedoch für schweres Zubehör gut ausgerüstet, die Wacklizität hat sich nun endgültig verabschiedet.

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