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Backnanger Sterngucker

Selbstbauprojekte

Dobsonbau und die
Skylight-Teleskope

Nach unserem Besuch in Wertheim 1987 begann ich nach einem großen Spiegel zu suchen. Im Magazin Sky & Telescope inserierten damals viele Hersteller von grossen Spiegeloptiken. Der Einzige, von dem ich Referenzen finden konnte, war zudem weltweit der preiswerteste Hersteller von Spiegeloptiken, Coulter Optical in den USA. Dort bestellte ich am Tag nach dem Besuch in Wertheim einen 17,5-Zoll F4,5 Newtonspiegel und den dazugehörigem Diagonalspiegel mit 4,5 Zoll kleiner Achse.

Die lange Lieferzeit von über zwei Jahren wurde mit dem Bau eines Dobsonteleskops genutzt. Als Ersatz für den noch fehlenden Spiegel habe ich einen Dummy aus Beton verwendet. Das arbeitsaufwendigste Bauteil war die Hauptspiegelzelle mit 18 Auflagepunkten aus 12 mm starkem Dur-Aluminium.

Der Tubus bestand aus drei Teilen: Einer Hauptspiegelbox aus Mutiplex-Sperrholz, einem Mittelteil aus Aluminiumstreben und einem Hut in Leichtbauweise, der den Fangspiegel mit Streben und Halterung sowie Okularauszug trägt. Alle Bauteile, bis auf die Optik, wurden selbst hergestellt. Für die Rockerbox und die Grundplatte mit dem Azimutlager habe ich dicke Multiplexplatten verwendet. Als Höhenlager dienten zwei dicke Aluminiumringe mit 250 mm Durchmesser.

Im Februar 1990 traf dann endlich die fertige Optik aus den USA ein. Eine Woche nach dem Einbau der Optik erhielt diese „first light“ auf dem Juxkopf in den Löwensteiner Bergen. Der 17,5-Zoll Spiegel zeigte uns Details bei Deepsky-Objekten, die wir nur von lang belichteten Astroaufnahmen kannten. Der Sombreronebel M104 machte seinem Namen alle Ehre. Im Löwen, in der Jungfrau und im Coma fuhren wir an hunderten von Galaxien entlang. Teilweise waren bis zu acht Galaxien im Gesichtsfeld des Okulars zu sehen. Die Galaxie NGC 4565 zeigte eine schmale Spindel mit deutlich erkennbarem Staubstreifen.

Im Herbst 1990 ging es mit dem 17,5-Zoll Dob zum 6.ITT auf den Wöllaner Nock nach Kärnten. Das war damals die erstmalige Vorstellung des Dobsonteleskops auf diesem Teleskoptreffen. Nach dem Aufbau des Geräts wurde diese noch sehr unbekannte Bauweise von anderen Sternfreunden zunächst sehr skeptisch zur Kenntnis genommen. In der ersten Beobachtungsnacht erfreute ich mich sehr langer Warteschlangen hinter dem Okularauszug. Vor allem das trotz allen Bedenken problemlose Nachführen mit über 300-facher Vergrößerung erstaunte damals viele Anwesende.

Ein befreundeter Teleskophändler bat mich dann am nächsten Tag, für ihn kommerziell solche Dobs herzustellen. Wir einigten uns dann auf den Bau eines Prototyps mit Meade Optik 16-Zoll F4,5. Zur FAA, Fachmesse für Amateurstronomie, in Laupheim Pfingsten 1992 stellten wir den ersten Skylight 16 vor. Dieses Teleskop wurde mit großem Interesse aufgenommen und ließ das ebenfalls vorgestellte originale 17,5-Zoll Dobsonteleskop von Coulter sehr alt aussehen. Am zweiten Tag der FAA fand unser türkisfarbener Prototyp einen neuen Besitzer.

Angespornt durch die Nachfrage wurde schnell das Material und die Optik für ein weiteres Gerät bestellt. Nach nur sechs Monaten wurde dieses zitronengelbe Instrument bei seinen neuen Besitzer in Kassel angeliefert und aufgebaut.

Als nächstes wurde der Bau von zwei weiteren Geräten, beide in dunkelblauer Lackierung, in Angriff genommen. Leider ließ dann die Firma Meade mit der Lieferung der Optik fast ein Jahr auf sich warten. 1994 bekam der dritte Kunde, eine oberschwäbische Sternwarte, ihr Gerät. Das zweite blaue Gerät wurde in die Ausstellungsräume des Händlers gebracht.

Aus den Holzabschnitten, die beim Bau der 16-Zöller übrig blieben, entstand Skylight Nr. 5 mit einer 10,1-Zoll F4,5 Optik von Coulter. Dieses Teleskop habe ich über viele Jahre selbst genutzt und schenkte es kürzlich meinem Sohn Alexander, der das erste Interesse an der Astronomie zeigt.

Skylight Nr. 6 wurde ein Leichtbau-Dob in dunkelroter Lackierung und mit einer 14,5-Zoll F5,5 Optik von Galaxy, USA. Leider ließ auch dieser Spiegel über ein Jahr auf sich warten und erleichterte uns den Entschluss, die Skylight-Serie 1995 endgültig einzustellen. Dieses letzte Gerät hatte eine Optik mit hervorragender Definition und wurde an einen schwäbischen Sternfreund geliefert. Ab und zu freue ich mich, wenn mir eines meiner Produkte nach Jahren in gutem Zustand wieder begegnet.

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