

Das neue Teleskop sollte zerlegt in zwei PKW-Kombis passen, diese Voraussetzung beschränke die Größe auf ca. 75 cm Öffnung. Anfragen beim bewährten Hersteller Coulter USA nach einem 29-Zoll F4,5 Spiegel brachten eine erste Ernüchterung. Coulter bot nur das komplette Teleskop an und wir hatten keine Lust, für fünf Kubikmeter Pappe die Transportkosten aus den USA zu bezahlen.
So blieben uns nur noch zwei Alternativen übrig, Intermountain-Optics und Star Instruments. Wir konnten gute Referenzen über Star Instruments aus den USA erhalten, was uns die Entscheidung erleichterte. Parallel dazu konnten wir einen Sponsor finden, die Stiftung zur Förderung der Jugend in Baden-Württemberg. Wir beantragten die ungefähre Kaufsumme des Spiegels als Förderung, und bekamen kurze Zeit darauf die Zusage. Im Gegenzug verpflichteten wir uns, für die Dauer von fünf Jahren aktiv in der Jugendarbeit tätig zu sein, was wir heute ohnehin immer noch leisten. Genau um diese fünf Jahre beschleunigte sich die Realisierung unseres Projekts.
So konnten wir noch Ende 1991 bei Star Instruments in Flagstaff/Arizona einen 30-Zoll F4 Spiegel ordern. Nach nur knapp einem Jahr Lieferzeit traf dieser unversehrt im Herbst 1992 in Backnang ein. Der Tubus des 30-Zöllers konnte bereits bei unserer Ausstellung im April 1993 in der Kreissparkasse Backnang gezeigt werden.
Der Aufbau benötigte vier kräftige Männer, um das schwerste Teil, die Konstruktion der Hauptspiegelzelle mit dem Spiegel (etwa 150 kg) aus dem PKW-Kombi zu heben. Der 76cm-Spiegel ruht in der Zentralbohrung fixiert auf 27 Auflagepunkten. Der Rahmen um die Spiegelzelle ist aus kräftigen Aluminiumprofilen verschweisst. Es wurde aus Stabilitätsgründen nur Aluminium verbaut. Welche Spaxverschraubung, und welches Holz, hält einem Gewicht von fast 300 kg stand?
Ein gebrauchter Anhänger mit 1000 kg zulässigem Gesamtgewicht wurde uns 1994 günstig angeboten. Wir waren uns schnell einig, diesen zu kaufen und für den Transport und die Lagerung unseres 30-Zöllers zu modifizieren. Die Inneneinrichtung der PKW-Kombis und auch unsere Bandscheiben dankten uns diese Entscheidung. Der Hänger wurde mit Gleisen aus Aluminiumprofilen versehen, und so konnte der Hauptspiegeltubus im Rocker verweilen. Die Aufbauzeit verkürzte sich mit dieser Maßnahme auf etwa zehn Minuten und es genügen zwei Mann für den Aufbau.
Rechtzeitig zum ITT 1993 in Kärnten war das Teleskop fertiggestellt , und in 2 PKW-Kombis verladen. Vor dem Besuch in Kärnten gönnten wir uns eine Beobachtungsnacht in den Ötztaler Hochalpen auf 2800m Höhe. Beim ITT in Kärnten erregte unser 30 Zöller großes Aufsehen. Die Warteschlangen hinter dem Okularauszug waren so lang, daß wir in der ersten Nacht nur drei Objekte einstellen konnten. Kugelsternhaufen und Galaxien zeigten bisher noch nie gesehene Details. Deshalb wurden zuerst alle Messierobjekte abgegrast, um "ganz neue Anblicke" kennen zu lernen. In der Astronomischen Zeitschrift "Sterne und Weltraum" erschien fast ein Jahr danach ein Artikel über das ITT 1993. Der Verfasser des Artikels berichtete über ein paar Banausen, die mit Ihrem Riesendob nur ein paar Messierobjekte einzustellen wussten.